3. Das Untersuchungsgebiet
3.1. Geographische Lage
Das Untersuchungsgebiet umfaßt zwei Biodiversitätsobservatorien des BIOTA Southern Africa Projekts: Gellap-Ost und Nabaos.
Diese Dauerbeobachtungsflächen befinden sich im südlichen Namibia in der Karas-Region, etwa 20 km nordwestlich der Stadt Keetmanshoop.
Das Gebiet gehört der Großlandschaft der Karoo, genauer der Nama Karoo an (Palmer&Hoffman 1997).
Abb.3
: Lage der Nama Karoo Quelle:
The Karoo, Ecological Patterns and processes
Die
Nama Karoo liegt im westlichen Teil des südlichen Afrika und umfaßt eine Fläche
von 607 235 km2, was einem Anteil von 22,7 % der Gesamtfläche des
südlichen Afrika entspricht (Rutherford 1997). Die Nama Karoo wird im Norden
und Osten von den Savannen, im Süden von Bushveld und im Westen von der
Sukkulenten Karoo begrenzt.
Abbildung 4 vermittelt einen Eindruck über die Lage der Flächen zueinander. Beide Observatorien liegen etwas versetzt, um die gegenseitige Beeinflussung auf ein Minimum zu reduzieren.

Abb.4 : Lage der BIOTA Biodiversitätsobservatorien Gellap-Ost und Nabaos auf dem Satellitenbild, der Zaun dargestellt als rote Line (Konzept: Mariam Akhtar-Schuster).
3.2. Geomorphologie und Topographie
Namibia, zwischen dem 17. und 29. ° südlicher Breite an der Atlantikküste zwischen Südafrika im Süden, Angola im Norden und Botswana im Osten gelegen, läßt sich naturlandschaftlich in drei Großräume untergliedern (Werger 1986).
Der westliche küstennahe Teil des Landes wird von der Namibwüste eingenommen, die sich als etwa 2000 km langer, aber maximal 150 km breiter Streifen von der Kapprovinz bis nach Südangola zieht und im wesentlichem dem Bereich der Küstenebene entspricht.
Nach Osten schließt sich der Steilanstieg des Great Escarpment an den Naturraum der Namib an, der auf eine bis zu 2000 m NN im Windhoeker Bergland erreichende Randschwelle hinaufführt. Im Bereich des 19. bis 23. Breitengrades ist die Randstufe erodiert und wird durch eine schiefe, kontinuierlich ansteigende Ebene ersetzt, die Escarpmentlücke.
Das Great Escarpment senkt sich nach Osten dann allmählich zum zentralen innerafrikanischen Hochland ab und geht in das sandgefüllte Becken der Kalahari über, die der zentralen Beckenlandschaft des südlichen Afrika angehört (Kempf 1994).
Die Region des Untersuchungsgebietes gehört, wie bereits erwähnt, großlandschaftlich der Nama Karoo an. Diese liegt geomorphologisch zu weiten Teilen auf dem afrikanischen Plateau. Ausnahmen hiervon bilden die Beckenlagen des Oranje und der östlichen Great Karoo sowie die östlich anschließenden Tiefländer der zentralen Beckenlandschaft.
Die untersuchten Flächen befinden sich auf dem innerafrikanischen Plateau und liegen zwischen 950 m und 1150 m NN, wobei Gellap-Ost etwas oberhalb von Nabaos gelegen ist.
3.3. Geologie
Der generelle Aspekt der Landschaft um Keetmanshoop ist – abgesehen von den Karasbergen – der einer mehr oder weniger zerschnittenen Ebene mit geringer Deckung von Gräsern und Sträuchern.
Die ältesten Gesteinsschichten der Region gehören dem Namaqualand Metamorphic Complex an und sind mit einem Alter von mehr als 2 Milliarden Jahren die ältesten Gesteine des südwestlichen Afrika.
Darauf folgen chronologisch Sedimentgesteine der Nama Gruppe aus dem späten Namibian bis einschließlich Kambrium. Es handelt sich hierbei um Quartzite, Tonschiefer und Kalkgestein.
Auf die Gesteine der Nama Gruppe folgen die Sedimentgesteine der Karoo Sequenz. Die Ablagerungen erfolgten in der Periode des Karbon bis in die Jura hinein und umfassen in etwa den Zeitraum von vor 345-140 Millionen Jahren.
Die Karoo Sequenz setzt sich aus verschiedenen Formationen zusammen. Die älteste ist die Dwyka Formation: Sie besteht aus Tilliten und verschiedenen Konglomeraten fluvioglazialer und glaziomariner Ablagerungen mit blasenfreien Einschlüssen aus Sandstein und Tonschiefer. In Gellap-Ost 3 sind diese Schichten Messungen zufolge 330 m dick (Bohrloch), sonst werden durchschnittlich Stärken von 200 m erreicht. Um die Observatorien herum findet man oberflächennah keine Ausstriche der Dwyka Formation, obwohl diese im südlichen Namaland durchaus häufig anzutreffen sind.
Bei den oberflächennahen Gesteine auf den Observatorien und in der näheren Umgebung handelt es sich vielmehr um Sedimentgesteinen der Ecca Gruppe, genauer der Prince Albert Formation, deren Gesteine im Untersuchungsgebiet dominieren und die – wie die Gesteine der Dwyka Formation – ebenfalls der Karoo Sequenz zugeordnet werden. Es handelt sich vorwiegend um Schiefertone und Sandstein. Sie liegen Gesteinen der Dwyka Formation auf und sind von diesen oft nicht genau zu trennen. Nach Definition gehören zu Dwyka alle Ablagerungen der unteren Karoo Sequenz. (Genis & Schalk 1984).
Neben den erwähnten Sediment- und metamorphen Gesteinen trifft man in der Region um Keetmanshoop auch auf Intrusivgesteine. Es handelt sich um aus Lagergängen aufgestiegene Dolerite der Karoo Sequenz. Diese erreichen in Gellap-Ost 3 (Bohrloch) ein Alter von 180 Millionen Jahren.
Auf den Observatorien wurden keine doleritischen Gesteine beobachtet, sehr wohl jedoch im Einzugsbereich der Flächen.
3.4. Böden
Böden als Durchmischungsprodukt von Biosphäre, Lithosphäre, Hydrosphäre und Atmosphäre sind ein entscheidender Faktor für die Vielfalt und Verbreitung von Pflanzen (Leonard et al. 1988). In ariden und semiariden Gebieten schreitet die Bodenbildung aber nur äußerst langsam voran (Dunne et al. 1978), da die chemische Verwitterung aufgrund des vorherrschenden Wassermangels in den Hintergrund tritt. Vielmehr stellt die physikalische Verwitterung der Ausgangsgesteine den bedeutenden Prozeß der Bodenbildung dar.
Charakteristisch für derartige Gebiete sind wenig entwickelte Böden mit einem geringen Anteil an organischer Substanz, schwach sauren bis stark alkalischen pH-Werten, einer hohen Basensättigung sowie Salzanreicherungen aufgrund mangelnder Auswaschung.
Die Böden der Karoo sind in der Regel flachgründig mit einer Tiefe von weniger als 30 cm (Palmer & Hoffman 1997). Ausnahmen hiervon bilden Abflußrinnen sowie Schwemmkegel oder Schwemmflächen, wo fluviatil oder äolisch durch Ablagerung tiefgründigere Böden entstehen können.
Derartige Substrate findet man im Untersuchungsgebiet in den Betten der Riviere und Abflußrinnen vor sowie auf weiten Teilen der Ebenen.
Der Nährstoffgehalt der Böden ist in der Nama Karoo unterschiedlich und hängt vom Ausgangsgestein ab. Besonders die aus Sandsteinen entstandenen Böden, wie sie im Untersuchungsgebiet häufig sind, weisen oft nur einen geringen Nährstoffgehalt auf. Auf den nährstoffarmen Böden dominieren immergrüne Sträucher und perennierende Gräser, während auf nährstoffreicheren Böden annuelle Gräser und laubabwerfende Sträucher aspektbestimmend sind (Palmer & Hoffman 1997). Sukkulente dagegen – besonders Blattsukkulente wie Tetragonia schenkii – bevorzugen sandige Böden mit gleichmäßiger Wasserversorgung (Jürgens 1986).
3.5. Klima
Das Klima des südlichen Afrika wird von der Position des Kontinents innerhalb des südhemisphärischen Luftdruck- und Windsystems gesteuert.
In den Sommermonaten steigen die Temperaturen über dem afrikanischen Festland stark an. Dies führt zu der Entstehung von Hitzetiefs über der Kalahari, Angola und Zaire, die feucht-warme Luftmassen aus dem Indischen Ozean (Süd-Ost-Passat) und den Tropen (Süd-West-Monsun) ansaugen und über das Festland bzw. Richtung Süden lenken. Diese feuchten Luftmassen dringen von Nordosten kommend bis Namibia vor. Sie bewegen sich in der Regel in südwestlicher Richtung und verlieren auf ihrem Weg Feuchtigkeit, vorwiegend in Form von Gewittern, also als örtlich begrenzte kurz andauernde Starkregen. Die Niederschlagsmenge nimmt dabei vom namibianischen Hochland ausgehend bis zum Randstufenbereich mehr oder weniger kontinuierlich ab. Den Küstenstreifen der Namib erreichen die feuchten Luftmassen meist nicht mehr, da sie sich meist am Gebirgssaum der Randstufe in Form von Steigungsregen abgeregnet haben.
Im Süd-Winter verlagert sich der Westwindgürtel der südlichen Hemisphäre dem Lauf der Sonne folgend nach Norden und führt zu Niederschlägen im Winterregengebiet. Niederschläge fallen in den Wintermonaten als langandauernde Nieselregen im südwestlichen Teil des südlichen Afrika, insbesondere in der RSA, teilweise bis in das südliche Namibia hineinreichend.
Im Inneren des Kontinents ist es zu dieser Jahreszeit kühl und trocken. Die Trockenheit wird durch die teilweise Verbindung von Atlantischem und Indischem Hoch über dem Land bewirkt. Die damit einhergehenden absinkenden Luftmassen bedingen Wolken- und damit auch Niederschlagsfreiheit.
Aus westlicher Richtung, also vom Atlantik her, erhält die Nama Karoo keinen Regen. Dies liegt einerseits an der nahe dem Festland gelegenen atlantischen Hochdruckzelle (Lancaster et al. 1984). Diese Nähe hat zur Folge, daß die auf dem Festland ankommenden Luftmassen auf ihrem nur kurzen Weg über den Atlantik wenig Feuchtigkeit aufnehmen können. Andererseits wird ein Aufsteigen feuchter Luft sehr wirksam durch die vorherrschende Temperaturinversion, bewirkt durch den in größeren Höhen wehenden warmen Südost-Passat in Kombination mit dem kalten antarktischen Oberflächenwasser des Benguela-Stromes, verhindert. Zudem bedingt der Benguela-Strom mit seinem durchschnittlich nur 15 ° C warmen Oberflächenwasser eine zusätzliche Aridität des Küstenstreifens, da die Luft durch Erwärmung weiter austrocknet.
Die klimatische Grenze zwischen Sommerregen- und Winterregengebiet verläuft mitten durch das südwestliche Afrika. Diese klimatische Grenze bedingt auch die floristische Trennung von Capensis im Süden und Paläotropis im Norden und teilt auch die Karoo in ein Gebiet mit Winterregen, die Sukkulenten Karoo, und eines mit Niederschlägen in den Sommermonaten, die Nama Karoo.
Die Karoo ist durch arides bis semiarides Klima gekennzeichnet, wobei die zeitliche Verteilung und Konstanz der Niederschläge zwischen Sukkulenten Karoo und Nama Karoo sehr verschieden sind. Während in der westlich gelegenen temperat-ariden Sukkulenten Karoo mit hoher räumlicher und zeitlicher Konstanz fallender zyklonaler Winterregen vorherrscht, unterliegt die tropisch-aride Nama Karoo dem oben beschriebenen Sommerregenregime. Die Niederschläge fallen hier überwiegend konvektiv als Starkregen und sind hochgradig variabel, wobei die jährliche Niederschlagsmenge in der Regel zwischen 60 und 400 mm beträgt und nach Westen zur Küste hin abnimmt (Palmer & Hoffman 1997).
3.6. Flora
Frühere pflanzengeographische Untersuchungen des südlichen Afrika führten zu einer Trennung der Kapregion von der Paläotropis, wobei die Karoo-Namib-Region komplett der Paläotropis zugeordnet wurde (Werger 1978). Diese Einteilung kann neueren Untersuchungen zufolge nicht mehr aufrechterhalten werden. So speisen sich Großteile der Florenelemente des Sommerregengebietes der Nama Karoo aus evolutiven Quellen der altweltlichen Tropen. Demgegenüber ist der evolutive Ursprung der überwiegenden Anzahl der Arten des Winterregengebietes der Sukkulenten Karoo im Florenreich der Capensis zu finden. Die Flora der Karoo ist neueren pflanzengeographischen Analysen zufolge (Jürgens 1991,1997) deutlich in die distinkten Einheiten der Sukkulenten Karoo im Westen und Nama Karoo im Osten zu unterteilen. In diesen beiden Regionen sind jeweils andere Lebensformen dominant. Während in der Sukkulenten Karoo blattsukkulente Zwergsträucher vorherrschend sind, wird die Vegetation der kontinentaleren Nama Karoo von Gräsern und nicht sukkulenten Sträuchern beherrscht. Daher erscheint es sinnvoll, den Biomen der Nama Karoo und Sukkulenten Karoo entsprechend die Florenregionen der Sukkulenten Karoo Region und der Nama Karoo Region gegenüberzustellen (Jürgens 1991,1997, Rutherford & Westfall 1986).
3.7. Fauna
Die Fauna der Nama Karoo ist relativ artenarm. Die Mehrzahl der Tiere hat ihr Verbreitungsgebiet von angrenzenden Biomen lediglich auf die Nama Karoo ausgedehnt (Vernon 1999).
In der westlichen Nama Karoo kommen verschiedene herbivore Säugetierarten vor. Die Konzentration von Großwild ist aufgrund der durch die vorherrschende Aridität bedingten spärlichen Vegetationsdeckung aber gering.
Weitaus häufiger sind Vertreter der kleineren Wildarten anzutreffen. So kommen nordwestlich Keetmanshoop neben Sprinbok auch Steenbok, Warthog und Klipspringer vor (van der Merwe 1983). Gerade die kleineren Antilopen wurden während der Feldarbeit besonders auf dem Gelände von Gellap-Ost häufig beobachtet, besonders in dichteren, Schutz bietenden Dickichten sowie in den hügeligen Gebieten. Nach Aussagen von Steph Coetzee (Bock 2003) ist jedoch die Anzahl der Wildtiere auf Gellap-Ost in den letzten Jahren rückläufig.
Häufig sind im besonderen verschiedene nachtaktive Mäusearten. Die auf Gellap-Ost häufigste Art ist die Borstenschwanz-Rennmaus Gerbillurus vallinus, während auf Nabaos die zu den Nacktsohlen Rennmäusen zählende verwandte Art Tatera leucogaster dominiert (Zeller et al. 2003). Dabei sind auf Gellap-Ost aufgrund der vielfältigeren Habitattypen und des größeren Nahrungsangebotes nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Populationen größer als die entsprechenden Populationen auf Nabaos.
3.8. Siedlungsgeschichte und Beweidung
Die landwirtschaftliche Nutzung der Nama Karoo blickt auf eine etwa 2000 Jahre alte Tradition zurück (Smith 1999). So wurden zuerst Schafe und seit circa 1500 Jahren auch Rinder von Nomaden in die Region eingebracht, wobei periodisch zwischen den Weidegründen der vom Sommerregen beeinflußten Nama Karoo und der südlich angrenzenden, zum Winterregenregime gehörenden Sukkulenten Karoo gewechselt wurde (Kempf 1994).
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war das Untersuchungsgebiet von den nomadisch lebenden Nama besiedelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es im Zuge der Kolonialisierung zum Zuzug deutscher Siedler in die Nama Karoo, in dessen Folge die Nama enteignet und in „temporäre Reservate“ umgesiedelt wurden, während ihr Land deutschen Farmern überstellt wurde. In den sechziger Jahren kam es im Rahmen des Odendaal Plans (Report of the Odendaal Commission 1963) zu einer Neugliederung und Erweiterung der bestehenden Reservate. Die Reservate Keetmanshoop, Gibeon und Bethanien wurden zusammengefaßt und um angrenzendes, ehemals von Weißen bewirtschaftetes Farmland ergänzt. Die entstandene Communal Area Namaland wurde von Stammesräten kommunal verwaltet und ist seit der Unabhängigkeit Namibias Teil der Regionen Hardap und Karas.
Das Farmland Namibias ist demnach in Gebiete mit kommunaler und kommerzieller Weidewirtschaft zu unterscheiden. 1999 waren 41 % der Fläche Namibias von kommunalem, dem Staat gehörenden Land bedeckt (Blackie & Tarr 1999).
Im südlichen Namibia beschränkt sich die landwirtschaftliche Nutzung, bedingt durch das aride Klima, im wesentlichen auf das sogenannte „small stock farming“, daß heißt auf die Beweidung der natürlichen Pflanzendecke durch Schafe und Ziegen. Aufgrund der Aridität ist die Tragfähigkeit - die Anzahl an Weidetieren, die eine Fläche maximal beweiden können, ohne daß es zu Degradationserscheinungen kommt – äußerst gering. Nach einem vom Ministry of Agriculture vorgegebenen Richtwert benötigt eine Kleintiereinheit auf kommerziellem Farmland 6 ha, auf kommunalem Farmland dagegen sogar 10 ha Land. Hieraus wird der enorme Flächenbedarf der Landwirtschaft sichtbar.
3.9. Gellap-Ost
Das Observatorium Gellap-Ost ist auf dem Gebiet einer sich seit 1938 in staatlichem Besitz befindlichen Forschungsfarm gleichen Namens gelegen, zu deren Hauptaufgaben die Züchtung und Erhaltung von Karakulschafrassen zählt. Die ca. 10 km nordwestlich von Keetmanshoop gelegene Farm umfaßt ein Gebiet von 13734 Hektar Land, aufgeteilt in 160 umzäunte Parzellen, die von 9 Bohrlöchern und 70 Kilometer Pipeline mit Wasser versorgt werden. Neben Karakulschafen werden noch weitere Tiere gehalten. Der Tierbestand betrug zum Zeitpunkt der Untersuchung vor Ort 1719 Schafe verschiedener Rassen, 201 Ziegen, 32 Rinder sowie 5 Pferde, wobei die Rinder weniger aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten als vielmehr zur Eigenversorgung mit Milch und Fleisch gehalten werden.
Die Beweidung erfolgt streng kontrolliert nach dem Prinzip der Rotationsweide, d.h. die Beweidung der Parzellen erfolgt jeweils nur über einen bestimmten Zeitraum und nur von einer begrenzten Anzahl Tiere. Die Entlaubungsrate von Indikatorpflanzen wird dauerhaft beobachtet. Spätestens bei Erreichen eines kritischen Wertes von 75 % Entlaubung bestimmter Indikatorarten endet die Beweidung einer Fläche.
Das Observatorium Gellap-Ost ist auf der 261 Hektar umfassenden Parzelle B1 gelegen, ca. 100 m südlich des die Parzelle gegen das kommunale Land abgrenzenden Zaunes. Auf der das Observatorium beherbergenden Parzelle B1 erfolgt ausschließlich Beweidung durch Schafe, die nach Angaben der Farmleitung weniger häufig gestohlen werden als Ziegen und andererseits nicht unter den Zäunen hindurch kriechen und auf diesem Wege verschwinden können.
Folgende Tabelle gibt Auskunft über das Ausmaß der Beweidung der Parzelle B1 seit dem Jahr 2001.
|
Beweidungszeitraum |
Anzahl Kleinvieheinheiten |
|
5.1.2001 – 22.2.2001 |
35 Schafe |
|
22.2.2001 – 1.3.2001 |
67 Schafe |
|
21.10.2002 – 18.2 2003 |
37 Schafe |
|
ab 5.3.2003 |
102 Schafe |
Tabelle 1: Beweidungszeitraum und Anzahl Tiere auf Parzelle B1, Gellap-Ost
Die Anzahl der Tage, während deren eine vorgegebene Menge Vieh eine Parzelle beweidet, wird mittels folgender Formel berechnet, wobei der Tragfähigkeitswert für eine bestimmte Tierart – wie bereits erwähnt - vom Ministry of Agriculture vorgegeben wird. Demnach benötigt ein Schaf als eine Kleintiereinheit 6 Hektar Boden auf kommerziellem Farmland, dagegen 10 ha auf kommunalem Land:
Grazing Days = Area (261 ha) x 365 (days)
6 (carrying capacity)
Auf Gellap-Ost wird aber zur Schonung der natürlichen Ressourcen von 9 ha pro Kleintiereinheit ausgegangen. Alle Parzellen sind absichtlich unterbesetzt, die Bestockung erreicht nur 30 % des errechneten Wertes. Neuerdings wird auch dazu übergegangen, die Parzellen nach verfügbarer Biomasse zu bestocken (s.o.), da aufgrund der unvorhersagbaren Niederschläge auch bei striktem Einhalten der berechneten Tragfähigkeitswerte eine Überweidung stattfinden kann (Bock 2003).
3.10. Nabaos
Das Observatorium Nabaos befindet sich nordwestlich des Observatoriums Gellap-Ost auf kommunalem Farmland, dem Nuwefontein Communal Land (s.Abb. 4). Die das Observatorium Nabaos betreffende Nutzung geht primär von der ca. 1 km nordwestlich gelegenen Siedlung Nuwefontein aus.
Es handelt sich um eine 11 Haushalte umfassende Ansiedlung, wobei 2 Haushalte keine Tiere besitzen und der Tierbestand zweier weiterer Haushalte nicht ermittelt werden konnte. Der Tierbestand der erfaßten 7 Haushalte betrug zum Zeitpunkt der Feldkampagne insgesamt 622 Ziegen, 13 Esel und 4 Schafe (Bock mündl. 2003). Da auf kommunalem Land eine Unterteilung durch Zäune gesetzlich verboten ist (Communal Land Reform Act of 2002), erfolgt die Beweidung unkontrolliert, d.h. das Vieh- hier in erster Linie die Ziegen - können sich auf dem umliegenden Land ihren Bedürfnissen entsprechend völlig frei bewegen. Die Tiere werden nicht von Hirten begleitet, da die Dorfbewohner der Ansicht sind, die Ziegen würden sich selbst überlassen die für sie optimale Nahrung aufnehmen und so möglichst gut Fett ansetzen.
Die Wasserversorgung erfolgt durch eine vom Staat unterhaltene durch Windkraft angetriebene Wasserpumpe im Zentrum von Nuwefontein auf dem Grunde eines den Ort durchfließenden Riviers. Diese Wasserstelle wurde als Ausgangspunkt der gelegten Transekte gewählt.
Neben Nuwefontein befinden sich noch weitere Siedlungen in der Nähe des Observatoriums, die durchaus einen – wenn auch nur geringen Einfluß – ausüben. Zu nennen wäre die aus zwei Haushalten bestehende, namengebende Siedlung Nabaos, die einen Viehbestand von 288 Ziegen, 255 Schafen, 19 Rindern, 11 Eseln und 10 Pferden aufweist und damit in der Region als wohlhabend gilt. Weiterhin ist die westlich der Straße nach Berseba etwas weiter entfernt gelegene, 6 Haushalte umfassende Siedlung Tyrvlei aufzuführen. Diese Siedlungen teilen sich eine kommunale Fläche von 9813,7 ha Boden.
Auf kommunalem Land findet zudem durchaus eine Art Fremdnutzung statt, da entfernt lebende kommunale Farmer ihre Tiere per Lkw zu günstigen Weidegründen transportieren und dort weiden lassen, ohne das ansässige kommunale Farmer dies verhindern könnten.
Die Flächen des Nuwefontein Communal Land sind mit 140 % der Tragfähigkeitswerte deutlich überbestockt (Bock 2003). Wie bereits erwähnt findet die Beweidung auf dem kommunalen Farmland hauptsächlich durch Ziegen statt. Dies ist zu beachten, da Ziegen die Blätter nicht so sehr abbeißen als vielmehr abreißen und – anders als Schafe - auch höher gelegene Pflanzenteile beweiden, für die Vegetation demnach also eine größere Belastung darstellen.