4.Material und Methoden
4.1. Untersuchungszeitraum
Die Erhebung der Daten erfolgte im Rahmen einer dreimonatigen Geländekampagne in den Monaten März bis Mai des Jahres 2003 auf den oben genannten Biodiversitätsobservatorien des BIOTA Projektes.
4.2. Untersuchungsflächen
Die bearbeiteten Observatorien Gellap-Ost und Nabaos umfassen jeweils einen Quadratkilometer, aufgeteilt in je 100 markierte Hektarflächen, von denen pro Observatorium 20 ausgewählte Hektarflächen im Rahmen eines langfristigen Monitorings besonders intensiv erfaßt werden. Zudem wurden 3 Transekte gelegt, sternförmig ausgehend von der Wasserstelle der ca. 1 km nördlich des Observatoriums Nabaos gelegenen Siedlung Nuwefontein.
Zusätzliche Flächen wurden außerdem in den östlich gelegenen Bergen bearbeitet, um neben der zonalen Vegetation der Ebene auch die zonale Vegetation der Berge möglichst vollständig zu erfassen.
W

Abb.5 : räumliche Lage der Observatorien Nabaos und Gellap-Ost
(Konzept: M.Akhtar-Schuster)
4.2.1. Auswahl der untersuchten Flächen
Auf sämtlichen BIOTA-Observatorien kommt ein geostatistisches Auswahlverfahren zur Anwendung, mit dessen Hilfe eine Prioritätsabstufung der 100 Hektarflächen in der Weise erfolgt, daß 20 Hektarflächen als prioritär eingestuft werden. Diese Flächen decken sämtliche Habitattypen des jeweiligen Observatoriums ihrer Häufigkeit entsprechend ab und sind somit repräsentativ für die Gesamtfläche.
Der Auswahl zugrunde liegt eine anhand einer Begehung erstellte Klassifikation aller Hektarflächen nach Habitattyp. Auf diesen ausgewählten repräsentativen Hektarflächen erfolgt eine besonders intensive jährliche Bearbeitung.
4.2.2. Design
Das Design der Aufnahmeflächen entspricht dem BIOTA Standard. Danach wird für jede Hektarfläche - ausgehend von dem per Trimble GPS bestimmten Mittelpunkt - ein 10 x 10 m umfassender Plot abgesteckt, der wiederum von einem 20 x50 m umfassenden, vom Mittelpunkt nach Norden ausgerichteten Plot umgeben wird.

Abb.6 : Design der BIOTA Biodiversitätsobservatorien
Im Rahmen der Transekte sowie der zusätzlichen Erfassung der Bergvegetation wurde von diesem Schema insoweit abgewichen, als im Verlauf der Transekte nur 20 x50 m Flächen, bzw. - um kleinräumigere Vegetationsmuster in den Bergen erfassen zu können – dort nur 10 x 10 m Flächen erhoben wurden, wobei die Ausrichtung nach Norden eingehalten wurde.
4.3. Vegetation
Die Erfassung der Vegetation der Untersuchungsgebiete stand während der Feldarbeit im Vordergrund. Daher erfolgt nun eine Übersicht der angewandten Methoden und zu erfassenden Kriterien.
4.3.1. Vegetationsaufnahmen
Die Vegetationsaufnahmen auf den Observatorien erfolgten in Anlehnung an die von Braun-Blanquet (1964) entwickelte Methode. Die intensivste Bearbeitung fand auf den 10 x 10 m umfassenden Flächen statt. Hier – wie auch auf den 20 x 50 m Flächen - wurde eine Artenliste erstellt, wobei zusätzlich die Abundanz sowie die Deckung nach Schichten auf einer Prozentskala von 0,01 - 100 % festgehalten wurden. Für die 10 x 10 m Fläche wurde daneben noch eine individuengenaue Skizze mit Höhe und Durchmesser der einzelnen Pflanzen angefertigt, was besonders unter vegetationsdynamischen Kriterien im Rahmen eines längerfristigen Monitorings interessant ist.
Für die gesamte Hektarfläche wurde das Arteninventar erhoben, um die Diversität auf den entsprechenden Hektaren erfassen zu können, jedoch hier ohne Erfassung der Abundanz oder Schätzung der Deckung.
Algen, Flechten und Pilze konnten aus praktischen Gründen bei der Artenerhebung nicht berücksichtigt werden.
Die Flächenauswahl erfolgte nach dem von BIOTA vorgegebenen Raster, weshalb die untersuchten prioritären 20 Hektarflächen nicht nach dem von Braun-Blanquet (1964) geforderten Homogenitätskriterium gewählt wurden, demnach also auch Übergänge zwischen Vegetationseinheiten repräsentieren können. Gleiches gilt für die im Rahmen der drei gelegten Transekte erfolgten Vegetationsaufnahmen, da hier mit Festdistanzschritten vorgegangen wurde.
Anders verhält es sich bei der Erfassung kleinräumiger Vegetationsmuster in den Hügeln. Da es hier gerade um das Auffinden distinkter Vegetationseinheiten ging, folgte die Flächenauswahl durchaus dem Homogenitätsprinzip Braun-Blanquets.
4.3.2. Beschreibung der Transekte
Transekt 1 verläuft von der Wasserstelle ausgehend in Richtung SSO und folgt dem die Siedlung durchlaufenden Rivier flußaufwärts über das Observatorium Nabaos und bis über den Zaun hinweg nach Gellap-Ost. Die Gesamtlänge beträgt 2.1 km, wobei Vegetationsaufnahmen – wie auch bei den Transekten 2 und 3 - auf einer Fläche von 20 x 50 m durchgeführt wurden. Der Abstand der Flächen betrug abgesehen von der ersten Aufnahme, die in 100 m Entfernung zu der Wasserstelle vorgenommen wurde, 200 m.
Transekt 2, das Riviertransekt, verläuft rivierabwärts Richtung NW. Hier ist die Frage nach der Rivierdegradation durch Übernutzung vordergründig. Das Transekt erstreckt sich über eine Länge von 1.6 km. Innerhalb des ersten Kilometers wurde als Festdistanz 200 m gewählt, danach wurde die Distanz zwischen den einzelnen Vegetationsaufnahmen auf 400 m erhöht.
Transekt 3, das Hügeltransekt, verläuft - ausgehend von der Wasserstelle – in Richtung NO, und wendet sich, das Rivier nach kurzer Zeit verlassend, den Bergen zu, wobei zuerst die Ebene durchquert werden muß. Hier kommt also zusätzlich zu dem Nutzungsgradienten noch ein topographischer Gradient zwischen Ebene und Bergen hinzu. Dieses Transekt umfaßt 1,9 km, wobei wiederum 200 m Abstände zwischen den Aufnahmeflächen gewählt wurden.
4.3.3. Populationsanalyse von Tetragonia schenkii (Aizoaceae)
Weiterhin wurde die für Nabaos charakteristische Art Tetragonia schenkii (Aizoaceae) einer gründlicheren Untersuchung unterzogen. Ziel der Untersuchung war es, Erkenntnisse über die Auswirkung der starken Beweidung auf diese Art zu gewinnen. Hierzu wurden zwei topographisch vergleichbare, aneinandergrenzende Flächen mit dem Umfang 50 x 50 m auf der Nabaos-, bzw. Gellap-Ost-Seite ausgewählt, die von Tetragonia schenkii dominiert und nur durch den Zaun getrennt werden. Neben dem oben beschriebenen BIOTA-Standardprogramm erfolgte hier zusätzlich eine detaillierte Vermessung aller vorkommenden Individuen der Art.
Zudem wurden der phänologische Zustand der Individuen festgehalten sowie Aussagen über die Vitalität mittels nachstehender Klassifikation getroffen.
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Vitalität |
Beschreibung |
|
0 |
Tot |
|
1 |
Vitalität gering, mind. 75 % der überirdischen Phytomasse abgestorben |
|
2 |
Vitalität mittel, 50 – 75 % der überirdischen Phytomasse abgestorben |
|
3 |
Vitalität mittel, 25 – 50 % der überirdischen Phytomasse abgestorben |
|
4 |
Vitalität hoch, max. 25 % der überirdischen Phytomasse abgestorben |
Tabelle 2 : Klassifikation der Vitalität
4.3.4. Whittaker Plots
Zusätzlich zu den gerade beschriebenen Vegetationsaufnahmen wurden für drei häufige Habitattypen pro Observatorium jeweils auf einem Hektar Vegetationsaufnahmen nach Whittaker (1977) durchgeführt, sogenannte Whittaker Plots. Diese systematische Erhebung von Flächen geht davon aus, daß Phytodiversitätsmuster im Raum nur anhand von verschieden großen räumlichen Maßstäben untersucht werden können (Shmida 1984). Es werden daher Vegetationsaufnahmen mit Erhebung der Abundanz auf verschieden großen, ineinander verschachtelten Flächen durchgeführt, wobei dem für BIOTA festgelegten Designentwurf gefolgt wurde.
Man erhält auf diese Weise Artenzahlen für
0,1 m2 ( 10 Flächen ), 1 m2 ( 10 Flächen ), 10 m2 ( 2 Flächen )
100 m2 ( 2 Flächen ), 1000 m2 ( 1 Fläche ) und 10000 m2 ( 1 Fläche ).
4.3.5. Identifikation und Nomenklatur
Die Identifizierung der Arten vor Ort wurde in erster Linie mit Hilfe eines selbst erstellten Photoherbariums durchgeführt. Es handelt sich dabei um die photographische Darstellung von herbarisierten Individuen, die in den Vorjahren auf den Untersuchungsflächen von Frau Dr. Mariam Ahktar-Schuster gesammelt und von Mitarbeitern des NBRI (National Botanical Research Institute) in Namibia nachbestimmt wurden.
Die Bestimmung der Arten in Hamburg erfolgte ferner nach dem „Prodromus einer Flora Südwestafrikas“ von H. Merxmüller (1966-1972).
Poaceae wurden unter Zuhilfenahme der Bücher „Gräser Südwestafrika/Namibias“ von M.A.N. Müller (1985) sowie „Grasses of Southern Africa“ von Gibbs Russell et al. (1991) bestimmt.
Eine Nachbestimmung der Arten erfolgte zT im Herbarium des NBRI in Windhoek sowie im Herbarium Hamburgense in Hamburg. Herbarbelege sind im Herbarium Hamburgense sowie im NBRI in Windhoek einsehbar.
Aufgrund des starken Verbisses nicht identifizierbare Arten werden unter Angabe der Sammelnummer angesprochen.
4.3.6. Erfassung weiterer Merkmale
Es wurden neben Arteninventar, Abundanz und Deckung noch folgende weitere, teils physiognomische Merkmale der Taxa im Zuge der Vegetationsaufnahmen erfaßt.
4.3.6.1. Wuchsformen
Zuerst einmal wurden die gefundenen Arten bestimmten Wuchsformenklassen zugeordnet (s.Kapitel 7.7.2.). Diese Wuchsformenklassen beziehen sich sowohl auf die Lebensformen nach Raunkiaer (1934) als auch auf die Verfeinerung dieses Systems durch Ellenberg & Mueller-Dombois (1966).
In Abweichung von Raunkiaer, wonach Chamaephyten bzw. deren Erneuerungsknospen eine Höhe von 25 cm nicht überschreiten, wird die Klasse der Chamaephyten auf Arten mit einer Sproßhöhe bis zu 100 cm ausgedehnt, da mehrere stete perenne Taxa mit einer Wuchshöhe von 50 – 100 cm vorkommen. Nach Mueller-Dombois & Ellenberg (1974) ist die maximale Höhe von 100 cm zur Definition von Chamaephyten aus klassifikatorischen Gründen sinnvoll und auch Rutherford & Westfall (1986) definieren in ihrer Arbeit Chamaephyten als perenne, idR zumindest teilweise verholzte Pflanzen, deren Erneuerungsknospen eine mittlere Höhe von 70 cm besitzen und deren Wuchshöhe 100 cm nur selten übersteigt.
4.3.6.2. Dornigkeit
Alle auf den Untersuchungsflächen gefundenen Taxa wurden zusätzlich nach dem Grad ihrer Dornigkeit untergliedert. Ermittelt wurde dieses Kriterium rein empirisch mittels Anfassen und Ansehen. Die Arten wurden entsprechend in 5 Klassen unterteilt, von nicht dornig bis sehr stark dornig. Neben der Anzahl der Dornen spielten bei der Einteilung die Festigkeit, Spitzigkeit und Größe der Dornen eine entscheidende Rolle.
|
Dornigkeitsklasse |
Beschreibung |
Beispiel |
|
0 |
keine Dornen |
Tetragonia schenkii |
|
1 |
weiche Dornen |
Trichodesma africana |
|
2 |
mäßig harte Dornen |
Aptosimum spinescens |
|
3 |
kurze harte Dornen |
Acacia mellifera |
|
4 |
lange harte Dornen |
Acacia nebrownii |
Tabelle 3 : Dornigkeitsklassen
4.3.6.3. Sukkulenz
Als blattsukkulent werden diejenigen Taxa bezeichnet, deren mittlere Blattdicke mindestens einen Millimeter beträgt (nach Jürgens 1986). Subsukkulent sind Blätter mit weniger als 1 mm Durchmesser, die aber fleischig sind. Stammsukkulent werden Arten mit nicht abgestorbenem, als Wasserspeicher fungierendem Gewebe im Stamm beschrieben.
4.3.6.4. Verbißgrad und Schmackhaftigkeit
Der aufgrund von Beweidung sowohl durch Haus- als auch durch Wildtiere erfolgte Verbiß von Arten wurde auf beiden Observatorien im Zuge der Vegetationsaufnahmen für charakteristische Arten festgehalten. Dies erfolgte mittels einer selbstgewählten, von 0-4 reichenden Skala. Die Ermittlung des Verbißgrades läßt sowohl Rückschlüsse über die generelle Schmackhaftigkeit von Arten als auch Erkenntnisse über den unterschiedlichen Beweidungsdruck auf beiden Observatorien zu und zeigt ferner auf, inwieweit verschiedene Arten starken Beweidungsdruck zu tolerieren vermögen.
Hiervon abgeleitet ist die Schmackhaftigkeit der häufig vorkommenden und somit für die Qualität der Flächen als Weide bedeutsamen Arten. In das Kriterium der Schmackhaftigkeit spielen auch die Giftigkeit, Behaarung oder Dornigkeit von Arten als beeinflussende Faktoren mit hinein, die eine Art für die Beweidung als ungeeignet erscheinen lassen.
|
Schmackhaftigkeit |
Beschreibung |
Beispiel |
|
0 |
Art unschmackhaft, kein Verbiß |
Aptosimum spinescens, Codon royenii |
|
1 |
Art wenig schmackhaft, kaum Verbiß |
Rhigozum trichotomum, Acacia nebrownii |
|
2 |
Art mäßig schmackhaft, mittlerer Verbiß |
Catophractes alexandri, Acacia mellifera |
|
3 |
Art schmackhaft, starker Verbi0 |
Hibiscus elliottiae, Indigofera pechuelii |
|
4 |
Art sehr schmackhaft, sehr starker Verbiß – Folgen teilweise letal |
Tetragonia schenkii, Leucosphaera bainesii |
Tabelle 4 : Klassifikation der Schmackhaftigkeit
4.4. Auswertungsmethoden
4.4.1. Multivariate Statistik
Methoden der multivariaten Statistik ermöglichen eine multivariate Analyse der gesammelten Vegetation-, Boden- und Klimadaten. Die erhobenen Datensätze sind ihrer Natur nach selbst multivariat, da schon jede Vegetationsaufnahme mehrere Arten enthält und ihrerseits an verschiedene weitere biotische und abiotische Umweltfaktoren gekoppelt ist. Das Besondere der multivariaten Methoden ist, daß die komplexen vorliegenden Datensätze als Ganzes betrachtet in einer Form ausgewertet werden können, die mögliche innere Zusammenhänge zwischen den Datensätzen aufzeigt, die mit herkömmlichen statistischen Methoden nicht erarbeitet werden könnten.
In dieser Arbeit kommen sowohl die hierarchische Klassifikation als auch die direkte und indirekte Gradientenanalyse zur Anwendung.
4.4.1.1 Hierarchische Klassifikation
Bei der Klassifikation können zwei grundsätzliche Herangehensweisen unterschieden werden. Der agglomerative Ansatz geht von der Zusammenfassung einzelner Aufnahmen mit maximaler Ähnlichkeit aus. Erst am Ende werden sämtliche Aufnahmen miteinander in Beziehung gesetzt.
Der hier angewendete Ansatz geht andersherum von der gesamten Datenmenge aus, die divisiv in immer kleinere Einheiten unterteilt wird (Jongman 1995).
Die Klassifikation der Vegetationsdaten wurde mit Hilfe des Programms TWINSPAN (=Two-Way Indicator Species Analysis, Hill 1979) aus dem Paket der Cornell Ecology Programs durchgeführt. Ziel ist die Erstellung einer Vegetationstabelle aus den vegetationskundlichen Daten. Dazu müssen sowohl die Aufnahmen als auch die Taxa in der Tabelle derart angeordnet werden, daß Aufnahmen wie auch Arten ähnlichen Verhaltens zu Gruppen zusammengefaßt werden.
TWINSPAN ordnet die Arten sämtlicher Vegetationsaufnahmen entsprechend den errechneten glockenförmigen Verteilungskurven der Häufigkeit und der Abundanz je Aufnahmefläche entlang einer Achse an. Dabei erfolgt die Bearbeitung der Aufnahmen hierarchisch trennend (Jongman 1995), das heißt die Vegetationsdaten werden – jeweils von einer Großgruppe ausgehend – dichotom nach Unähnlichkeit sowohl der Taxa als auch der Flächen in Untergruppen getrennt.
Diese Trennung erfolgt jeweils an der Stelle der Achse, an der die geringste Überschneidung der Glockenkurven vorliegt. Auf dieser ersten Unterteilung der Arten in zwei Hauptgruppen basiert auch die darauffolgende Trennung der Aufnahmeflächen in zwei weitere Hauptgruppen.
Im Ergebnis entsteht eine Vegetationstabelle, in der sowohl Arten als auch Aufnahmen in Gruppen nach Ähnlichkeit hierarchisch angeordnet sind, wobei die höchsten Abundanzen einer jeden Art innerhalb der Tabelle diagonal von links oben nach rechts unten angeordnet sind. Auf diese Weise wird es möglich, visuell Gruppen von Vegetationsaufnahmen mit ähnlichem Arteninventar als Blöcke in der Tabelle auszumachen. Diese Anordnung entspricht somit einer pflanzensoziologischen Tabelle nach Braun-Blanquet. Durch manuelles Verschieben von sowohl Spalten als auch Zeilen durch visuellen Abgleich können mit Hilfe des Programms MEGATAB floristisch ähnliche Vegetationsaufnahmen und damit auch Arten ähnlichen Vorkommens benachbart angeordnet werden. Dadurch kann die von TWINSPAN vorgenommene Sortierung der Tabelle noch weiter verfeinert werden.
4.4.1.2. Direkte Gradientenanalyse
Die direkte Gradientenanalyse untersucht die Verteilung von Populationen einzelner Arten entlang bekannter Umweltgradienten wie Feuchte-, Nährstoff- oder Höhengradienten (Pfadenhauer 1997).
Im vorliegenden Fall wurde die kanonische Korrespondenzanalyse aus dem Programm CANOCO (ter Braak 1988) als Teil des Programmpakets der Cornell Ecology Programs angewendet. Es handelt sich um ein mathematisches Ordinationsverfahren, bei dem Umweltparameter in die Ordination einbezogen werden. Das Verfahren ist daher geeignet, mögliche Abhängigkeiten zwischen Vegetationsaufnahmen bzw. einzelnen Arten und ökologischen Faktoren aufzuzeigen (ter Braak 1988). Die Umweltvariablen werden als Vektorpfeile dargestellt, wobei die Länge des jeweiligen Vektorpfeils die statistische Bedeutung des Merkmals für die Vegetationsdifferenzierung widerspiegelt (Pfadenhauer 1997).
4.4.1.3. Indirekte Gradientenanalyse
Die indirekte Gradientenanalyse der Vegetationsdaten erfolgte mittels der Detrended Canonical Correspondance Analysis (DCA, Korrespondenzanalyse) durch das Programm CANOCO (ter Braak 1988). Es handelt sich um ein mathematisches Ordinationsverfahren, bei dem im Gegensatz zur direkten Gradientenanalyse die Vegetation nach rein vegetationskundlichen Daten geordnet wird. Es wird also nicht mehr direkt entlang gemessener oder empirisch abgeleiteter Standortgradienten ordiniert.
Die Gradienten werden vielmehr aus einer mathematisch definierten Ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit zwischen den Arten oder Aufnahmen einer Vegetationstabelle abgeleitet. Die Anordnung der Aufnahmen bzw. Arten erfolgt in einem vielachsigen Koordinatensystem derart, daß ihrer floristischen Zusammensetzung nach ähnliche Aufnahmen oder bezüglich ihres Vorkommens in der Tabelle ähnliche Arten nahe, unähnliche dagegen weit voneinander platziert dargestellt werden (Pfadenhauer 1997). Die Bearbeitung von Aufnahmen und Arten erfolgt dabei simultan. Der wichtigste Gradient wird von der ersten Achse, der x-Achse, dargestellt, der nächstwichtige Gradient von der y-Achse usw. Die dargestellten Achsen sind mit meist komplexen Umweltgradienten gleichzusetzen. Da nur drei Achsen im geometrischen Raum darstellbar sind, erfolgt eine stufenweise Reduktion der Dimensionen. Die Interpretation ökologisch relevanter Strukturen wird durch diese Reduktion der unterschiedlichen Parameter auf wenige Hauptgradienten wesentlich erleichtert.
4.5. Darstellung der Daten
Für die Auswertung der Flora werden alle jeweils bearbeiteten Flächengrößen
(100 m2, 1000 m2, 10000 m2) herangezogen. Die Auswertung der Vegetation wird dagegen auf die 100 m2 sowie 1000 m2 Flächen beschränkt, da nur für diese Flächengrößen Daten zu Deckung und Abundanz erhoben wurden.
In die Auswertung der 100 m2 Flächen werden neben den Monitoringflächen der Ranks 1-20 jeweils die auf und in unmittelbarer Nähe der Observatorien aufgenommenen Hangflächen einbezogen, da diese einheitlich in der Größe 100 m2 erhoben wurden. Andererseits werden die Transektflächen mit ihrer Größe von 1000 m2 in die Auswertung der Vegetationsdaten der 1000 m2 Flächen der Ranks 1-20 einbezogen. Auf diese Weise soll die Vergleichbarkeit der Daten gewährleistet werden.
4.6. Bodenkundliche Untersuchungen
Neben der Erhebung der Vegetationsdaten fand auch eine Untersuchung von bodenkundlichen Parametern statt. Diese Untersuchungen erfolgten sowohl im Gelände als auch im Labor in Hamburg.
4.6.1. Erfassung im Gelände
Im Zuge der Vegetationsaufnahmen wurden für jede Aufnahmefläche topographische sowie geomorphologische Merkmale erfaßt.
So erfolgte jeweils die Bestimmung der Neigung in Prozent mit Hilfe eines Klinometers und die Bestimmung der Exposition unter Zuhilfenahme eines Kompasses. Auf nur schwach geneigten Flächen wurde die Fließrichtung der Abflußrinnen bestimmt.
Die Bodenoberfläche wurde nach dem prozentualem Deckungsanteil der einzelnen Korngrößen entsprechend der von BIOTA festgelegten Kriterien durch Schätzung beschrieben. Die Klassen sind im Anhang 3 aufgeführt.
Zudem wurde die Bodenmächtigkeit durch dreimaliges Einrammen einer Eisenstange südlich des Mittelpunktes bestimmt. Ergänzend wurden Daten zur Bodenmächtigkeit freundlicherweise von Andreas Petersen aus dem BIOTA-Teilprojekt Bodenkunde zur Verfügung gestellt.
Weiterhin wurde eine Mischprobe der obersten 10 cm des Bodens genommen. Mit einem Sieb der Maschenweite 2 mm wurde der Skelettanteil herausgesiebt, prozentual geschätzt und dann verworfen. Das Feinmaterial wurde für spätere Laboruntersuchungen aufbewahrt.
4.6.2. Laboranalyse
Im Labor wurden der pH-Wert, die elektrische Leitfähigkeit sowie der Carbonatgehalt der einzelnen Bodenproben bestimmt.
Zur Bestimmung des pH-Wertes wurden eine definierte Menge Feinboden im Verhältnis 1:2,5 mit 0,01 m CaCl2 versetzt und geschüttelt. Nach einer Stunde erfolgte die Messung des pH-Wertes bei 23 °C mit Hilfe eines pH-Meters der Fa. Schott. Der nach 10 Minuten angezeigte Wert wurde übernommen.
Die elektrische Leitfähigkeit der Bodenlösung wurde 30 Minuten, nachdem eine definierte Menge Feinboden im Verhältnis 1:5 mit destilliertem Wasser vermengt und die Probe geschüttelt wurde, gemessen.
Zur Bestimmung des Carbonatgehaltes wurde eine kleine Menge Feinboden mit 10 %iger HCl versetzt. Je nach beobachteter Reaktion folgte eine Einteilung der Probe in die entsprechenden Kategorien (s. Anhang 3).
Zusätzlich wurde der BODENKUNDLICHEN KARTIERANLEITUNG folgend eine Fingerprobe durchgeführt, um die Zusammensetzung des Feinmaterials der Bodenproben bestimmen zu können. Hierzu wurden die Proben befeuchtet. Den Kriterien der Bindigkeit, Formbarkeit und Körnigkeit zu Folge war eine Zuordnung zu den Feinbodenarten Sand, Schluff, Lehm und Ton möglich.
4.7. Klimadaten
Die Farm Gellap-Ost unterhält eigene Niederschlagszähler. Die von der dem Observatorium am nächsten liegenden Klimastation seit 1940 aufgezeichneten Niederschlagsdaten wurden für diese Arbeit freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Umfangreiche Witterungsdaten wurden mit Hilfe einer stationären Wetterstation der Firma MC Systems gewonnen. Die im Jahre 2001 von BIOTA aufgestellte Wetterstation befindet sich am südlichen Rand des Observatoriums Gellap-Ost. Die Witterungsdaten, u.a. Lufttemperatur, Bodentemperatur, relative Luftfeuchtigkeit der Luft, Niederschlag, Windrichtung und Windgeschwindigkeit u.a. wurden in stündlichen Intervallen gemessen.