Landnutzungsvergleich Namibia - Klassifikation der Vegetation

7.  Vegetation

 

7.1.                     Flora des Untersuchungsgebietes

 

7.1.1.                        Artenzahlen

 

Auf sämtlichen untersuchten Flächen wurden - zusammen betrachtet – insgesamt 126 Arten aus  38 Familien vorgefunden. Die häufigste Familie sind die Fabaceae s.s. mit 12 Arten, gefolgt von den Poaceae mit 11 Arten, den Aizoaceae mit 10 und den Asteraceae mit 9 Arten. 15 Familien kamen mit nur je einem Vertreter vor.

 

Das vorgefundenen Artenspektrum -mit der Dominanz der Fabaceae, Poaceae, Asteraceae und Aizoaceae - entspricht durchaus dem für die Nama Karoo typischen Bild (Cowling & Hilton-Taylor, 1999), von den Aizoaceae abgesehen ist die Verteilung der Familienhäufigkeiten auch für aride Gebiete im allgemeinen charakteristisch (Shmida, 1985).

 

Die Identifikation der Arten gelang nicht in jedem Fall vollständig. Seltenes Vorkommen oder starker Verbiß führten bisweilen zu einer Unmöglichkeit der sicheren Bestimmung. So war bei 10 Arten eine  Bestimmung auf Artniveau nicht möglich, 2 Arten wurden lediglich einer Familie zugewiesen und bei einer geophytischen Art konnte aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums keine Familienzuordnung erfolgen.

AAbb.22 : Artenzahlen aller vorkommenden Familien mit mindestens 4 Arten

7.1.2.                       Stetigkeit der Arten

 

Bei den 40 untersuchten 1 ha Flächen der Observatorien finden sich als hochstete Arten mit einer Stetigkeit von je 82 % lediglich die Phanerophyten Boscia foetida (Capparaceae) und Acacia nebrownii (Mimosaceae). Als mit einer Stetigkeit von 70 bis 80 % auftretende Arten sind der Phanerophyt Acacia mellifera (Mimosaceae) sowie der Chamaephyt Calicorema capitata (Amaranthaceae) und der meist nanophanerophytisch vorkommende Rhigozum trichotomum (Bignoniaceae) zu nennen. 

 

Bei Betrachtung der gesamten 69 untersuchten 0,1 ha Flächen (20x50 m) – Vegetationsaufnahmen auf den Observatorien (s.o.) sowie im Zuge der Transekte - finden sich keine derartig hohen Stetigkeiten, was auf die oft sehr spärliche Vegetation der Transektflächen zurückzuführen ist. Die höchste Stetigkeit zeigt Calicorema capitata mit 41 %, was einem Vorkommen auf 29 der Flächen entspricht. Eine Stetigkeit von 40 % zeigt Acacia nebrownii. Arten mit einer Stetigkeit von 30 bis 39 % sind Boscia foetida mit 37 %, der Mesochamaephyt Monechma genistifolium (Acanthaceae) mit 34 %, der Nanophanerophyt Phaeoptilum spinosum (Nyctaginaceae) mit 33 % sowie die Nanophanerophyten Rhigozum trichotomum und Tetragonia schenkii (Aizoaceae) mit je 31 %.

Einige der auf den 0,1 ha Flächen in höheren Stetigkeiten auftretenden Arten sind – wie unten gezeigt wird – den Vegetationseinheiten auf Nabaos zuzuordnen, wie Tetragonia schenkii und Monechma genistifolium.

 

Die niedrigsten Stetigkeiten zeigen erwartungsgemäß die 0,01 ha Aufnahmeflächen, da aufgrund der Trockenheit die Vegetationsdecke insgesamt sehr lückig und der Artenbestand der nur 10 x 10 m großen Flächen daher oft sehr gering war.

Von den insgesamt vorgefundenen 126 Arten kamen nur noch 82 Arten auf der kleinsten untersuchten Flächengröße vor.

Die Art mit der höchsten Stetigkeit war hier das hemikryptophytische Gras Stipagrostis uniplumis. Es kam auf 35 % der 51 durchgeführten Aufnahmen vor. Die nächsthöchste Stetigkeit zeigte mit 31 % der Mesochamaephyt Leucosphaera bainesii (Amaranthaceae). Insgesamt überwog bei den 0,01 ha Flächen die Anzahl der Arten, die lediglich ein bis wenige Male vorkommen.

Einige der Arten mit hohem Bedeutungswert – also hochstetes Vorkommen auf zumindest einem der Observatorien in Verbindung mit hohen Deckungswerten – werden zu einem späteren Zeitpunkt in Kapitel xy näher vorgestellt.

Bei den vorgestellten Arten handelt es sich um die Poaceae Stipagrostis uniplumis sowie um die Phanerophyten Tetragonia schenkii, Rhigozum trichotomum, Catophractes alexandri sowie Acacia nebrownii.

 

Im Folgenden wird zuerst eine Klassifikation der Untersuchungsflächen nach Habitattypen für beide Observatorien durchgeführt. Im Anschluß erfolgt die vegetationskundliche Charakterisierung der bearbeiteten Flächen.

 

7.2.                    Klassifikation der Habitattypen

 

Die Klassifikation der Habitattypen erfolgte durch Begehung sämtlicher Hektarflächen beider Observatorien im Rahmen der Feldarbeit 2003 und führte im Ergebnis zu einer Modifikation der bisher verwendeten Einteilung.

Für das Observatorium Gellap-Ost ergibt die Klassifikation eine Einstufung in folgende Habitattypen:

 

  1. von Gräsern dominierte Ebene
  2. Grasebene mit Verbuschung an Fließrinnen
  3. Hang
  4. Hangfuß, direkter Hangeinfluß besteht, zT Ausstriche anstehenden Gesteins
  5. stark undulierende Ebene mit Verbuschung an Fließrinnen
  6. Rivier

 

Habitattyp

Anzahl

Hektarflächen

bearbeitete Hektaranzahl

I

von Gräsern dominierte Ebene

32

5

II

Grasebene mit Verbuschung an Fließrinnen

27

7  (+1 )

III

Hang

17

4  (+8 )

IV

Hangfuß

13

2

V

Undulierende Grasebene mit Verbuschung an Fließrinnen, zT Ausstriche anstehenden Gesteins

28

8  (+1 )

VI

Rivier

4

1  (+1 )

Tabelle 5 : Anzahl Hektarflächen pro Habitattyp für das Observatorium Gellap-Ost

Obige Tabelle gibt Auskunft über die quantitative Verteilung der verschiedenen Habitattypen innerhalb des Observatoriums sowie über die pro Habitattyp bearbeiteten Hektarflächen, wobei die Werte in Klammern eine Bearbeitung über die prioritären 20 Hektarflächen hinaus bedeuten.

 

Wie bereits erwähnt erfolgte die zusätzliche Bearbeitung verschiedener Flächen im Zuge der Transekte sowie gezielt zur Erfassung der Bergvegetation.

 

Folgende Darstellung gibt einen räumlichen Überblick über die Verteilung der Habitattypen auf dem Observatorium Gellap-Ost.

Bei den in den Kästchen befindlichen Zahlen handelt es sich um die Plotnummern der Rankingflächen 1-20. Die Abbildung zeigt somit deren Verteilung auf die unterschiedlichen Habitattypen.

 

 

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

 

 

 

 

 

14391

 

 

 

14394

1

 

 

 

14397

 

 

 

16302

 

14400

2

 

14403

 

 

 

 

 

 

14406

 

3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4

 

 

 

16305

 

 

14409

 

 

14412

5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6

14415

 

14418

16308

 

 

14421

 

 

 

7

 

 

14424

16311

 

 

 

 

 

 

8

14427

 

16314

 

 

 

 

 

 

 

9

 

 

14430

 

 

 

 

 

 

14433

 

            = Grasebene

      = Ebene mit Verbuschung an Fließrinnen

      = Hang

      = Hangfuß, zT Ausstriche anstehenden Gesteins

      = Stark undulierende Ebene mit Verbuschung an Fließrinnen

      = Rivier

 

 

Eine entsprechende, die Zuordnung der Hektarflächen zu bestimmten Habitattypen ermöglichende Klassifikation wurde auch für das Observatorium Nabaos vorgenommen. Hier zeigt sich jedoch – bezogen auf die vorkommenden Habitattypen - ein geringfügig anderes Bild:

 

  1. Ebene
  2. stark degradierte, erodierte Ebene
  3. Hangfuß, direkter Hangeinfluß besteht, zT Ausstriche anstehenden Gesteins
  4. Hang

 

Auf dem Observatorium Nabaos ist der Habitattyp der Riviere nicht vertreten. Zwar finden sich kleinere, zT auch tief eingeschnittene Abflußrinnen, jedoch fehlt diesen der Riviercharakter. Das im Südwesten des Observatoriums Gellap-Ost verlaufende Rivier schneidet das Observatorium Nabaos nicht, da dieses nordöstlich von Gellap-Ost plaziert wurde, um den Einfluß der Observatorien aufeinander zu minimieren.

 

Folgende Tabelle gibt wiederum Auskunft über die quantitative Verteilung der Habitattypen auf dem Observatorium sowie den Bearbeitungsstand.

 

 

Habitattyp

Anzahl

Hektarflächen

bearbeitete Hektaranzahl

I

Ebene

37

6  (+3)

II

Stark degradierte, erodierte Ebene

34

9  (+3)

III

Hangfuß

10

2  (+2)

IV

Hang

10

3  (+3)

Tabelle 6 : Anzahl Hektarflächen pro Habitattyp für das Observatorium Nabaos

 

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Vegetationsaufnahmen wurden weitere Aufnahmen in unmittelbarer räumlicher Nähe beider Observatorien durchgeführt. Hier kommt das in Abschnitt 4 beschriebene geostatistische Auswahlverfahren nicht zum Tragen.

 

 

 

Folgend die räumliche Verteilung der Habitattypen für das Observatorium Nabaos. In die Darstellung sind wiederum die Plotnummern der prioritär zu bearbeitenden 20 Hektarflächen des Observatoriums integriert. Zusätzlich ist der Verlauf der das Observatorium Nabaos tangierenden Transekte 1 und 3 eingezeichnet.

 

 

        Transekt 1                Transekt 3

 

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

 

14436

 

 

 

 

 

 

16317

14439

1

    

14442

 

 

 

 

 

14445

 

14448

2

 

 

 

16320

 

16323

 

 

 

 

3

14451

14454

 

 

 

 

 

14457

 

 

4

 

 

 

 

 

14460

 

 

 

 

5

 

     

 

14463

 

 

 

14466

 

14469

6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7

 

 

 

 

 

 

 

14472

 

16 326

8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

14475

9

 

 

 

 

14478

 

 

16329

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

               = Ebene           

               = Stark degradierte, erodierte Ebene

               = Hangfuß

               = Hang

         

Es finden sich die im Bodenkapitel herausgearbeiteten Standorttypen in den Habitattypen wieder. Durch die Begehung konnte die Untergliederung besonders der Ebenen jedoch differenziert werden.

 

Bei einem Vergleich der Observatoriumsflächen zeigt sich, daß die geomorphologische Einteilung recht ähnlich ist mit einer mehr oder weniger vegetationsbedeckten Ebene im Westen und Hügelland im Osten, nur daß auf Nabaos die Grasdecke aufgrund der starken Überweidung nahezu vollständig fehlt, was der Ebene auf Nabaos einen gänzlich anderen Charakter verleiht. Durch das Fehlen der den Boden stabilisierenden Grasdecke tritt auf Nabaos eine schwerwiegende Erosionsproblematik zu Tage tritt. Die stärkere fluviatile wie auch äolische Erosion hat durch ihre nivellierende Wirkung die größere Homogenität der Habitate der Ebene auf Nabaos zur Folge.

 

Erosion beschränkt sich auf Gellap-Ost idR auf die Riviere und kleineren Abflußrinnen, die die Ebene meist in WNW Richtung durchschneiden. Gerade die kleineren Tributäre, die aus den Bergen kommend die stärker geneigten Abschnitte der Ebene durchziehen, zeigen häufig Erosionserscheinungen. Hier kommt es durchaus zur Bildung tieferer Gräben. Der von diesen - regelmäßig von dichtem Buschwerk gesäumten - Fließrinnen durchzogene Bereich der Ebene stellt den Habitattyp der Ebene mit Verbuschung an Fließrinnen dar.

 

Zudem ist der Bergeinfluß auf Gellap-Ost deutlich höher als auf Nabaos. So befindet sich auf Gellap-Ost zusätzlich zu der Hügelkette im östlichen Bereich eine weitere Erhöhung im südlichen Teil des Quadratkilometers, die in dieser Form auf Nabaos fehlt.

 

Das Relief ist auf der Nabaos-Seite allgemein etwas einheitlicher. Der Habitattyp der undulierenden Ebene mit Ausstrichen anstehenden Gesteins - ein von den sonstigen Standorten der Ebene deutlich unterscheidbarer Habitattyp, der in dem Pflanzeninventar eher den Hangflächen ähnelt - ist auf Nabaos nicht anzutreffen.
 
Auf das Fehlen ausgeprägter Rivierhabitate auf Nabaos wurde oben bereits hingewiesen. Vielmehr birgt dort die Ebene als solche in weiten Teilen den Charakter einer Sandschwemmebene. Bei seltenen Starkregenereignissen können Schichtfluten über diese Ebene hinweggehen und das Feinmaterial des Oberbodens mit sich reißen. Dies deckt sich mit dem Auftreten zahlreicher pflanzlicher Individuen auf Nabaos, deren Wurzelhälse bis zu 15 cm freigespült sind, ohne daß eine direkte Nachbarschaft zu Abflußrinnen festzustellen wäre (s. Abbildung 23).


 

Abb. 23 : Calicorema capitata auf Nabaos

7.3. Klassifikation der Vegetation

 

Die Klassifikation der Aufnahmeflächen und Arten erfolgte manuell auf der Grundlage einer Sortierung durch TWINSPAN. Gegenstand der Untersuchung sind die in 2003 auf sämtlichen 0,1- und 0,01 ha Flächen erhobenen Vegetationsdaten. Die Auswertung wird dort, wo entsprechende Daten vorliegen, also auf den Hektaren der Priorität 1-20 beider Biodiversitätsobservatorien, für beide Flächengrößen parallel durchgeführt, um zu zeigen, welche Flächengröße - bezogen auf welchen Habitattyp - die feinere Differenzierung der Vegetation ermöglicht. Zum anderen macht der Umstand, daß im Rahmen der Transekte lediglich 0,1 ha Flächen, zur Untersuchung der Bergvegetation dagegen ausschließlich 0,01 ha Aufnahmeflächen gewählt wurden, die Auswertung beider Datensätze unbedingt notwendig.

Die zugehörigen Vegetationstabellen sind im Anhang 2 abgebildet.

Im Anschluß erfolgt eine Beschreibung der herausgearbeiteten Vegetationseinheiten

 

7.3.1.                       Klassifikation der 0,1 ha Flächen

 

Die Analyse der 0,1 ha Flächen (20 x50 m) ergibt eine Differenzierung der Vegetationsaufnahmen in 10 Vegetationseinheiten (1-10). Diese Einheiten umfassen 2 bis 10 Aufnahmeflächen. Die erfaßten Arten können in insgesamt 11 Artengruppen (A-K) zusammengefaßt werden.

Die Sortierung  beruht auf 46 verschiedenen Charakter- und Trennarten, deren Auftreten jedoch nicht in jedem Fall auf die entsprechende Vegetationseinheit beschränkt ist. Weiter 36 Arten kommen derart häufig vor, das hier eine Zusammenfassung in übergeordnete Artengruppen (A-D, H) erfolgt.

 

  1. Stipagrostis namaquensis-Einheit

 

Als Charakterart dieser Einheit ist die strauchige Poaceae Stipagrostis namaquensis mit hohen Deckungen vertreten. Begleitend tritt in hoher Stetigkeit als weiteres, ebenfalls perennierendes Gras Leucophrys mesocoma auf. Begleitet werden diese Arten u.a. von den Phanerophyten Acacia erioloba (Mimosaceae) und Ziziphus mucronata (Rhamnaceae). Typisch sind auch die Asteraceae Pechuel-loeschea leubnitziae sowie die chamaephytische Acanthaceae Monechma spartioides (125865).

Es handelt sich bei den zugehörigen Flächen um die azonalen Rivierstandorte auf  Gellap-Ost. So sind die oben aufgeführten Arten dann auch für das südliche Namibia charakteristische Rivierzeiger.

 

  1. Indigofera pechuelii (125870)-Einheit

 

Die Vegetation dieser Flächen wird durch die nanophanerophytisch vorkommende Art Indigofera pechuelii (Fabaceae) sowie den Megachamaephyten Sericocoma heterochiton (Amaranthaceae) charakterisiert. Weiterhin kommen mit geringerer Stetigkeit der Phanerophyt Adenolobus garipensis (Caesalpiniaceae) sowie Codon royenii, eine chamaephytische Hydrophyllaceae, vor. Vereinzelt treten weitere typische Arten der Bergvegetation auf wie beispielsweise die krautige Urticaceae Forrskaolea viridis oder die strauchige Polygalaceae Polygala leptophylla (125880).

Diese Vegetationseinheit ist weitestgehend auf die Hang- und Hangfußflächen auf Gellap-Ost beschränkt. Die ebenfalls dieser Einheit angehörenden Flächen der Ebenen werden durch Ausstriche anstehenden Gesteins geprägt und sind daher -auch in der Heterogenität der möglichen Pflanzenstandorte und der Artenvielfalt - den Flächen der Hänge ähnlich.

Diese der Gruppe F zugehörigen Arten finden sich nicht auf topographisch vergleichbaren Standorten auf Nabaos, was an der außerordentlich hohen Schmackhaftigkeit eines Großteils der Charakterarten liegt, die sich bei dem starken, auf Nabaos herrschenden Beweidungsdruck dort nicht etablieren können bzw. bereits verschwunden sind.

 

  1. Stipagrostis uniplumis-Ausbildung

 

Dieser Ausbildung fehlen eigene Charakterarten. Die Flächen werden von Stipagrostis uniplumis als aspektbestimmender Art dominiert, einer perennierenden und sehr schmackhaften Poaceae, die für die Beweidung auf Gellap-Ost eine zentrale Rolle spielt. Diese Art wird in Kapitel 7.5. näher beschrieben. Mit hoher Stetigkeit vertreten sind des weiteren der Microphanerophyt Boscia foetida (Capparaceae) und der Mesochamaephyt Blepharis grossa (Acanthaceae). In geringerer Stetigkeit, jedoch mit hohen Deckungswerten kommt die idR nanophanerophytisch auftretende Bignoniaceae Catophractes alexandri vor. (Näheres zu dieser Art in Abschnitt 7.5).

Diese Ausbildung charakterisiert zwar einen großen Teil der Ebene auf Gellap-Ost, ist aber wiederum aufgrund des höheren Beweidungsdruckes auf Nabaos nicht vertreten.

 

  1. Trichodesma africana-Einheit

 

Die Charakterarten dieser Einheit sind Trichodesma africana (Boraginaceae) sowie Dicoma schinzii, eine hemikryptophytische niedrigwüchsige Asteraceae. Die Charakterarten der Gruppe G treten jedoch in geringerer Stetigkeit und mit ebenfalls geringen Deckungen auf. Die aspektbestimmenden Arten dieser Einheit gehören den Ubiquistengruppen C und D an. Es handelt sich dabei zum einen um Stipagrostis uniplumis, das hier wiederum mit höchsten Deckungen vorkommt. Zum anderen tritt hier im Gegensatz zu Einheit 3 als weitere aspektbestimmende Art die perennierende Asteraceae Osteospermum microcarpum auf. Weiterhin mit hoher Stetigkeit vertreten sind die stark dornigen Phanerophyten Acacia nebrownii (Mimosaceae) und Rhigozum trichotomum (Bignoniaceae), beides für das Untersuchungsgebiet wichtige Arten, die in Abschnitt 7.5. beschrieben werden.

 

Diese Vegetationseinheit ist typisch für die nicht durch Einheit 3 abgedeckten Flächen der Ebene auf Gellap-Ost. Die auf diesen Flächen zu beobachtende Tendenz zur Verbuschung kann mit der Lage der betreffenden Flächen im Süden des Observatoriums nahe der Wasserstelle der Parzelle B1 in Zusammenhang stehen. Durch diese räumliche Nachbarschaft bewegt sich das Vieh bei Bestockung der Weide täglich mehrmals auf diesen Flächen, um von den Weidegründen zu der Tränke und wieder zurück zu gelangen. Dies führt zu einem gegenüber dem übrigen Observatorium leicht erhöhten Beweidungsdruck  und erklärt – in Verbindung mit der andauernden Beweidung durch herbivore Wildtiere - das vermehrte Vorkommen dorniger oder aus anderen Gründen wenig schmackhafter Arten auf diesen Flächen. Denn gerade selektive Beweidung kann zu einem Selektionsvorteil der dornigen Sträucher gegenüber Gräsern und anderen schmackhaften Arten führen und so die Verbuschung fördern. Dieser Effekt wird zwar idR der Standweide zugesprochen (Walter & Breckle 1984), wohingegen auf Gellap-Ost das Verfahren der Rotationsweide praktiziert wird, wodurch Verbuschung verhindert werden soll. Es darf jedoch nicht die dauernd stattfinde Beweidung durch das Wild, besonders die auf diesen Flächen sehr häufig beobachteten kleineren Antilopenarten außer Acht gelassen werden, deren selektiver Fraß dem Effekt der Standweide sehr nahe kommt. So sind beispielsweise in beschriebener Einheit die überaus schmackhaften Arten Stipagrostis hochstetteriana (Poaceae) und Ptycholobium biflorum (Fabaceae) der Gruppe D nicht vertreten, während ungenießbare Arten wie die stark dornige Acanthaceae Blepharis grossa weiterhin in hoher Stetigkeit vorkommen.

 

  1. Commiphora glandulosa-Einheit

 

Als Charakterarten kommen für diese Einheit neben dem bedornten Phanerophyten Commiphora glandulosa (Burseraceae) die therophytische Solanaceae Solanum dinteri sowie die Asteraceae Kleinia longiflora in Betracht.

Des weiteren treten mit hoher Stetigkeit Arten der für die Vegetation auf Nabaos charakteristischen Generalistengruppe H auf. Dazu gehören hier insbesondere Monechma genistifolium, eine sehr schmackhafte chamaephytisch vorkommende Acanthaceae sowie die annuelle Fabaceae Tephrosia dregeana. Auch die Art mit dem für Nabaos höchsten Bedeutungswert, die Aizoaceae Tetragonia schenkii (s.Abschnitt 7.5.), ist in geringerer Stetigkeit vertreten. Vereinzelt kommen noch Arten der eigentlich für Gellap-Ost charakteristischen Gruppe C vor, wie die schmackhafte perennierende Poaceae Panicum arbusculum oder die dornige Scrophulariaceae Aptosimum spinescens.

Mit hohen Deckungen tritt aus der Gruppe A ferner Rhigozum trichotomum auf.

 

Diese Einheit wurde nur auf dem Observatorium Nabaos festgestellt, ist dort aber an keinen Habitattyp gebunden. Es handelt sich um die artenreichste Vegetationseinheit auf Nabaos. Das mag damit zusammenhängen, daß zum einen die zugehörigen Flächen der Ebenen am weitesten von der Siedlung Nuwefontein entfernt liegen und die übrigen Flächen zum anderen in relativ unzugänglicher Berglage angesiedelt sind. Sie werden daher von den Ziegen weniger häufig als die übrigen auf Nabaos lokalisierten Aufnahmeflächen besucht und deshalb auch etwas weniger stark beweidet, so dass sich eine höhere Diversität erhalten konnte.

  1. Lycium oxycarpum-Einheit

 

Die Charakterarten dieser Vegetationseinheit sind die Phanerophyten

Grewia tenax (Tiliaceae) und Lycium oxycarpum, eine lang bedornte Solanaceae. Beide Arten kommen aber vereinzelt auch in Einheit 5 vor.

In höheren Deckungen kommen daneben die Generalisten Acacia nebrownii sowie der dornige Nanophanerophyt Phaeoptilum spinosum (Nyctaginaceae) vor. Durchaus häufig ist auch Catophractes alexandri anzutreffen. Wie auch bei der vorhergehenden Einheit sind hier für Nabaos charakteristische Arten der Gruppe H mit hoher Stetigkeit anzutreffen. Neben Monechma genistifolium und Tephrosia dregeana ist ferner Salsola spec.1 (125862), ein leicht blattsukkulenter Strauch aus der Familie der Chenopodiaceae, anzuführen. Im Gegensatz zu Einheit 5 kommen die für Gellap-Ost typischen Arten der Generalistengruppe C hier nicht vor.

 

Diese relativ artenarme Einheit kommt nur auf Nabaos vor und ist dort weitestgehend auf die Hangbereiche im weiteren Sinne beschränkt.

Es zeigt sich somit im Vergleich zu Einheit 5, der artenreichsten Vegetationseinheit auf Nabaos, daß auf Nabaos im Gegensatz zu Gellap-Ost nicht die Hänge und Hangfußbereiche die größte Artenvielfalt beherbergen, sondern daß vielmehr Teile der Ebene die Hänge an Artenreichtum übertreffen. Dies ist zwingend auf die starke Übernutzung der Flächen auf den Nuwefontein Communal Lands zurückzuführen und macht die Bedeutung der starken Überbeweidung auf Nabaos für die Vegetation deutlich. Nicht die heterogenen Hangstandorte bieten dort die besten Etablierungsmöglichkeiten, sondern die am wenigsten von den Ziegen frequentierten Flächen. Hier wird also der Normalfall, wie auf Gellap-Ost beobachtet, durch den hohen Beweidungsdruck überlagert und teilweise ins Gegenteil verkehrt.

 

  1. Rhigozum trichotomum-Monechma genistifolium-Ausbildung

 

Die Flächen dieser Ausbildung werden maßgeblich von Rhigozum trichotomum bestimmt. Die für Nabaos charakteristischen Generalisten der Gruppe H sind lediglich durch Monechma genistifolium mit hoher Stetigkeit vertreten. Mit hoher Stetigkeit treten als weitere Ubiquisten der Gruppe A  Calicorema capitata und Acacia nebrownii auf. Charakterarten fehlen.

Diese Ausbildung kommt auf den Flächen der Ebene im Südwesten von Nabaos vor.

 

  1. Tetragonia schenkii-Rhigozum trichotomum-Ausbildung

 

Diese Ausbildung unterscheidet sich von vorhergehender in erster Linie durch die mit hoher Stetigkeit und auch hohen Deckungswerten auftretende Tetragonia schenkii, einer Art, die in vorheriger Ausbildung fast gar nicht vorkommt.

Begleitet wird T. schenkii wie oben von Monechma genistifolium, Rhigozum trichotomum und Calicorema capitata. Eigene Charakterarten fehlen auch hier.

Die zugehörigen Flächen sind auf den erodierten und stark degradierten Flächen der Ebenen im nördlichen Abschnitt des Observatoriums Nabaos in relativer Nähe zu Nuwefontein lokalisiert.

 

  1. Tetragonia schenkii-Acacia nebrownii-Ausbildung

 

Die aspektbestimmende Art dieser ansonsten artenarmen Ausbildung ist Tetragonia schenkii, die hier mit sehr hohen Deckungswerten vertreten ist. Mit hoher Stetigkeit ist sonst lediglich Acacia nebrownii vorzufinden. Diese dominierenden Arten werden von den Phanerophyten Acacia mellifera (Mimosaceae) und Salsola spec.1 (125862) (Chenopodiaceae) begleitet.

Die betreffenden Aufnahmeflächen befinden sich im äußersten nördlichen Abschnitt des Observatoriums oder aber im Rahmen der Transekte 1 und 3 über das Observatorium hinausgehend in der Nähe zu der Siedlung Nuwefontein und damit der Wasserstelle. Der auf diesen Flächen herrschende Beweidungsdruck ist aus diesem Grunde erhöht, was sich in der geringen Artenvielfalt widerspiegelt.

 

10.Salsola aphylla-Einheit

 

Die Charakterart dieser Einheit ist die phanerophytische, leicht blattsukkulente Chenopodiaceae Salsola aphylla, begleitet von dem ebenfalls charakteristischen Phanerophyten Euclea pseudebenus (Ebenaceae). Diese Arten sind typische Rivierzeiger, was gut mit der räumlichen Lage der betreffenden Aufnahmeflächen korrespondiert. Es handelt sich um diejenigen Rivierflächen des Transektes 2, die in größter Entfernung zu der Wasserstelle als Ausgangspunkt liegen. Der Beweidungsdruck ist hier nicht mehr so stark wie in größerer Nähe zur Wasserstelle, so daß sich schmackhafte Arten wie Salsola aphylla behaupten können. Mit hoher Stetigkeit und Deckung ist wiederum Tetragonia schenkii, gefolgt von Acacia nebrownii vertreten.

 

11. reine Tetragonia schenkii-Ausbildung

 

Diese ausgesprochen artenarme Ausbildung wird von Tetragonia schenkii dominiert, gefolgt von Acacia nebrownii. Weitere Arten kommen nicht vor. Bei den Flächen handelt es sich um diejenigen Aufnahmeflächen der Transekte, die in unmittelbarer räumlicher Nachbarschaft zu der Wasserstelle in Nuwefontein gelegen sind (maximale Entfernung: 600 m). Auf diesen Flächen ist der Beweidungsdruck maximal, alle Individuen waren hochgradig, teils gar letal verbissen Als weitere Stressoren treten neben Tritt auch erhöhte pH- und Leitfähigkeitswerte auf. Da es sich um Rivierflächen handelt, muß die Vegetation zusätzlich der Gefahr des Freigespültwerdens bei Abgehen des Riviers nach seltenen Starkregenereignissen begegnen. Dieser Kumulation von Stressoren können lediglich Tetragonia schenkii und Acacia nebrownii standhalten. Jedoch sind die beobachteten Deckungswerte beider Arten wie auch die Vitalität der Individuen stark herabgesetzt. Jungpflanzen konnten nicht beobachtet werden. Die direkt neben der Wasserstelle platzierte Aufnahmefläche 16005, auf der die extremsten Werte gemessen wurden, ist dann auch völlig vegetationslos. Lediglich einige tote Individuen oben erwähnter Arten konnten gesichtet werden.

Es wird deutlich, daß die geringe Diversität und Deckung dieser Flächen auf menschlichen Einfluß zurückzuführen ist (Vergleich Kapitel 7.8.2.).

 

Übergeordnete Artengruppen der 0,1 ha Flächen ( A-D, H):

 

A.    Begleitarten

 

Arten dieser Ubiquistengruppe treten, wenn auch mitunter nur in geringer Stetigkeit, in nahezu allen Vegetationseinheiten auf. Die Arten dieser Gruppe mit dem höchsten Bedeutungswert sind Acacia nebrownii, Calicorema capitata und Rhigozum trichotomum.

B.    Phaeoptilum spinosum-Catophractes alexandri-Gruppe

 

Die Arten dieser Gruppe treten in hohen bis mittleren Stetigkeiten auf Gellap-Ost sowie auf den Hang- und Hangfußflächen, zuweilen auch auf den Ebenen von Nabaos auf.

Neben Catophractes alexandri und Phaeoptilum spinosum sind ferner der Nanophanerophyt Cadaba aphylla (Capparaceae) sowie die hemikryptophytische Asteraceae Dicoma capensis anzutreffen.

 

C.    Stipagrostis uniplumis-Gruppe

 

Die perennierenden Gräser Stipagrostis uniplumis und Panicum arbusculum bilden zusammen mit der Acanthaceae Blepharis grossa und der Malvaceae Hibiscus elliottiae u.a. eine weitere übergreifende Artengruppe. Die Vertreter der Gruppe C kommen in hohen Stetigkeiten und z.T. auch Deckungen nur auf Gellap-Ost vor. Dagegen treten sie mit geringer Stetigkeit und zerstreut auch auf den artenreicheren Flächen von Nabaos auf.

 

D.    Osteospermum microcarpum-Hermannia fruticulosa-Gruppe

 

Die Arten dieser Gruppe sind in ihrem Vorkommen auf Gellap-Ost beschränkt. Mit z.T. hohen Deckungswerten treten lediglich Osteospermum microcarpum und Stipagrostis hochstetteriana auf. Mit hoher Stetigkeit kommen weiterhin Hermannia fruticulosa und Ptycholobium biflorum vor.

 

H. Tetragonia schenkii-Gruppe

 

Diese Ubiquistengruppe wird durch Tetragonia schenkii charakterisiert, die als einzige Art - wenngleich in teils geringer Stetigkeit – in allen für Nabaos beschriebenen Einheiten zu finden ist. Als häufig vorkommende Arten sind zusätzlich Monechma genistifolium und Salsola spec 1 (125862) anzuführen. Die Vertreter dieser Gruppe sind typisch für die des Observatorium Nabaos sowie für die auf den Nuwefontein Communal Lands gelegenen Aufnahmeflächen der Transekte, kommen vereinzelt jedoch auch auf Gellap-Ost vor.

 

7.3.2.                      Klassifikation der 0,01 ha Flächen

 

Die Klassifikation der o,01 ha Flächen (10 x 10 m) ermöglicht eine Differenzierung der Aufnahmeflächen in 8 Vegetationseinheiten (1-8) sowie der auf den Flächen vorgefundenen Arten in 11 Gruppen (A-K). Die Klassifikation der Einheiten erfolgte anhang von 45 Charakter- und Trennarten der Artengruppen D-K. Die Gruppen A-C werden von 17 häufig vorkommenden Ubiquisten gebildet.

 

  1. Stipagrostis namaquensis-Einheit

 

Die bereits für die 0,1 ha Flächen beschriebene Einheit der Rivierflächen auf Gellap-Ost ist auch bei der Beschreibung der geringeren Flächengröße ausgeprägt, wenn auch deutlich schwächer. Neben der aspektbestimmenden Charakterart Stipagrostis namaquensis sind als weitere Arten der Gruppe D lediglich Monechma spartioides (Acanthaceae) und Leucophrys mesocoma, ein Strauchgras, vertreten.

 

  1. Stipagrostis uniplumis-Hibiscus elliottiae-Ausbildung

 

Die aspektbestimmenden Arten dieser Ausbildung sind die Poaceae Stipagrostis uniplumis sowie die strauchige Malvaceae Hibiscus elliottiae. Sie werden begleitet von Leucosphaera bainesii, Cadaba aphylla und Aptosimum spinescens. Das Artenspektrum besteht durchweg aus Vertretern der Generalistengruppen B und C. Eigene Charakterarten fehlen.

 

Das Vorkommen ist auf Flächen der Hänge auf Gellap-Ost beschränkt. Das Besondere an diesen Aufnahmeflächen ist die Dominanz von

Stipagrostis uniplumis auf den Hängen. Betrachtet man vergleichend die übrigen Aufnahmeflächen, so wird deutlich, daß das Vorkommen von Stipagrostis uniplumis mit höherer Deckung in der Regel auf die Ebene beschränkt ist und nur ausnahmsweise für Hangflächen beobachtet werden kann. Die diese Ausbildung beherbergenden Flächen unterscheiden sich von den übrigen Hangstandorten durch ihre Südexposition sowie eine weitaus größere Bodenmächtigkeit. Diese beträgt durchschnittlich 40 cm und ist damit im Vergleich zu den anderen untersuchten Hangflächen stark erhöht und nähert sich vielmehr gar den für die Ebene gemessenen Werten an.

Aus diesem Grund kann auch Stipagrostis uniplumis mit dem für Poaceae typischen ausgreifenden homorhizen Wurzelsystem auf diesen Flächen gedeihen, während die Böden der Hänge ansonsten für das Vorkommen dieser Art zu flachgründig sind. Zusätzlich verhindert die Südlage eine extreme Austrocknung des Bodens durch starke Evaporation. Es bilden sich auf diesen Standorten auch optisch gut sichtbare Grastaschen aus. In ihnen findet eine Vermischung der Florenelemente der Berge, wie Hibiscus elliottiae und Aptosimum spinescens, mit solchen der Ebene, z.B. Leucosphaera bainesii, statt. Die Tiefgründigkeit dieser Standorte ist auf lineare fluviatile Erosion im oberen Bereich der Hänge zurückzuführen, durch die Feinmaterial hangabwärts transportiert wurde und sich in Form von Kegeln aus Feinmaterial im unteren Hangbereich abgelagert hat.

 

  1. Tephrosia dregeana-Monsonia umbellata-Einheit

 

Die Charakterarten dieser wenig gesicherten Einheit sind die Therophyten Tephrosia dregeana (Fabaceae) und Monsonia umbellata (Geraniaceae). Es handelt sich um eine Einheit, die weitgehend auf die Hanghabitate beschränkt ist, aber auf beiden Observatorien zu finden ist. Die Charakterarten werden von Arten der Generalistengruppen A, B und C begleitet, wobei aber lediglich Leucosphaera bainesii mit hoher Stetigkeit vertreten ist. Die Einheit repräsentiert die artenarmen Hanggesellschaften auf beiden Observatorien und kann als Sammelbecken der zugehörigen, nicht besonders homogenen Aufnahmen angesehen werden. Aufgrund des geringen Arteninventars der Flächen ist aber eine weitere Differenzierung nicht möglich.

 

  1. Aizoon schellenbergii (125875)-Zygophyllum suffruticosum (125877)-Einheit

 

Die aspektbestimmende Charakterart der Flächen dieser Einheit ist der schmackhafte Chamaephyt Aizoon schellenbergii. Eine weitere Charakterart ist die ebenfalls chamaephytische Art Zygophyllum suffruticosum (Zygophyllaceae).

Eine Differenzierung in zwei Untereinheiten erscheint sinnvoll:

Reine Aizoon schellenbergii-Untereinheit (4.1.) und Aizoon schellenbergii-Polygala leptophylla-Untereinheit (4.2.).

4.1.          reine Aizoon schellbenbergii-Untereinheit

 

Diese Einheit wird von Aizoon schellenbergii dominiert, Zygophyllum suffruticosum ist in geringer Deckung vertreten. Begleitet werden diese Arten von Ubiquisten der Gruppe B und C wie Aptosimum spinescens und Hibiscus elliottiae, aber auch Stipagrostis uniplumis kommt in geringer Deckung vor.

Insgesamt ist diese Einheit, obwohl es sich um eine Hangfläche auf Gellap-Ost handelt, ausgesprochen artenarm und mit nur einer Aufnahmefläche auch wenig abgesichert. Sie unterscheidet sich jedoch in ihrem Artenspektrum grundlegend von Untereinheit 4.2., da die Arten der für diese Einheit charakteristischen Gruppe G völlig fehlen. Zudem besitzt der Boden einen relativ hohen Tonanteil und somit auch einen erhöhten Leitfähigkeitswert. Dies korrespondiert gut mit dem Auftreten von Zygophyllum suffruticosum, einem Element der Tonschiefervegetation.

Eine Separierung dieser Aufnahme erscheint daher notwendig.

 

4.2.         Aizoon schellbenbergii-Polygala leptophylla (125880)-Untereinheit

 

Trennart dieser Untereinheit ist der Chamaephyt Polygala leptophylla (Polygalaceae). Hohe Deckungswerte erreichen Indigofera pechuelii und Hibiscus elliottiae. Begleitend kommen in geringer Deckung Stipagrostis uniplumis und Leucosphaera bainesii neben anderen Generalisten der Gruppe B vor.

Diese Einheit findet sich auf einer steilen Hangfläche von Gellap-Ost sowie auf einer Fläche der stark undulierenden Ebene im Südosten des Observatoriums, deren Böden jeweils durch einen sehr hohen Anteil grusigen Materials mit Durchmessern von 2-6 cm bestimmt werden. Beide Aufnahmeflächen beherbergen geneigte Flächen, so daß ähnliche Standortbedingungen herrschen.

 

  1. Panicum arbusculum-Einheit

 

Die Charakterarten dieser Einheit finden sich in der Artengruppe F. Es sind dies u.a. die perennierenden Poaceen Panicum arbusculum und Setaria appendiculata, ein typischer Vertreter der Bergweiden des südwestlichen Namibia sowie die chamaephytische Art Kissenia capensis (Loasaceae).

Diese Einheit kann in zwei Untereinheiten gegliedert werden:

Panicum arbusculum-Lycium bosciifolium-Untereinheit (5.1.) und

Panicum arbusculum-Pegolettia oxyodonta-Untereinheit (5.2.).

 

5.1.                     Panicum arbusculum-Lycium bosciifolium-Untereinheit

 

Charakteristisch für diese Untereinheit ist das Vorkommen des Phanerophyten

Lycium bosciifolium, einer bedornten Solanaceae sowie des Chamaephyten Indigofera spec. 1 (Fabaceae) (125878). Auch die Arten der Gruppe G, wie Indigofera pechuelii und Blepharis mitrata, sind dort zu beobachten. Dagegen sind Arten der Generalistengruppen A-C fast nicht vertreten. Das Fehlen der Generalisten macht diese Flächen bei gleichzeitiger relativer Artenvielfalt einzigartig. Es handelt sich um zwei Aufnahmeflächen der steilen, stark rutschigen, südexponierten Hanghabitate der Gellap-Seite.

 

5.2.                    Pegolettia oxyodonta (125872)-Untereinheit

 

Die Charakterart dieser Vegetationseinheit ist die stark mit ätherischen Ölen ausgestattete und daher sehr aromatische, aber wenig schmackhafte Asteraceae Pegolettia oxydonta. Sie kommt zusammen mit Forrskaolea viridis (Urticaceae) sowie der chamaephytischen Sterculiaceae Hermannia fruticulosa vor. Aber auch Arten der Gruppe H, wie Panicum arbusculum oder Codon royenii sind hier vertreten. Die der Einheit angehörigen Flächen weisen häufig eine erhöhte Leitfähigkeit auf und sind oft kalkhaltig. Sie befinden sich - mit einer Ausnahme -an den Hängen von Gellap-Ost.

 

6.                Blepharis grossa-Einheit

 

Diese Einheit wird durch die dornige Acanthaceae Blepharis grossa sowie – wenn auch in geringerem Maße – durch die Poaceae Stipagrostis hochstetteriana charakterisiert. Die dominante Art dieser Flächen ist jedoch

Stipagrostis uniplumis, welches auf diesen Flächen mit höchsten Deckungswerten vorkommt, begleitet von Phaeoptilum spinosum und weiteren Generalisten der Gruppe B. Die 11 Aufnahmeflächen umfassende Einheit repräsentiert die Mehrheit der grasbestandenen Ebenen auf Gellap-Ost.

7.                            Stipagrostis uniplumis-Osteospermum microcarpum-Ausbildung

 

Dominante Art dieser Ausbildung ist – wie in der vorangehenden Einheit - neben anderen Vertretern der Artengruppe B die Poaceae Stipagrostis uniplumis. Mit relativ hohen Deckungen ist weiterhin die Asteraceae Osteospermum microcarpum vertreten sowie aus der Gruppe A Rhigozum trichotomum. Diese Einheit trat in ähnlicher Ausprägung auch bei Analyse der 0,1 ha Flächen in Erscheinung, gestaltete sich dort aber wesentlich artenreicher. Es handelt sich weitestgehend um die nicht von Einheit 6  abgedeckten Flächen der Ebene auf Gellap-Ost.

 

8.                            Tetragonia schenkii-Ausbildung

 

Diese Ausbildung ist charakteristisch für nahezu alle Aufnahmeflächen des Observatoriums Nabaos. Die aspektbestimmende Art ist Tetragonia schenkii. Sie wird begleitet von Salsola spec. 1 (125862) und Monechma genistifolium, die aber nur sporadisch auftreten. Aus der Gruppe A sind vereinzelt Rhigozum trichotomum und Calicorema capitata anzutreffen. Eine feinere Differenzierung, wie sie bei Auswertung der 0,1 ha Flächen erfolgte, ist aufgrund der geringen Artenzahlen pro Aufnahmefläche nicht möglich.

 

Übergeordnete Artengruppen (A-C)

 

  1. Begleitarten

 

Die Begleitarten der Gruppe A entsprechen weitgehend den oben in 7.3.2. aufgeführten. Es sind als Hauptarten wiederum Acacia nebrownii, Rhigozum trichotomum und Calicorema capitata zu nennen. Diese Ubiquisten sind jedoch – anders als bei der Gruppe A der 0,1 ha Flächen – nur in geringerer Stetigkeit und oft auch Deckung vertreten.

 

 

 

 

  1. Stipagrostis uniplumis-Gruppe

 

Arten dieser Gruppe – neben Stipagrostis uniplumis mit höheren Deckungswerten auch noch Phaeoptilum spinosum und Catophractes alexandri – sind typisch für Gellap-Ost und kommen auf Nabaos nur sporadisch und meist auf Hangflächen vor.

 

  1. Leucosphaera bainesii-Gruppe

 

Gruppe C ist auf ein etwas kleineres Spektrum von Untersuchungsflächen als die vorherige Gruppe beschränkt. Es handelt sich auch hier weitgehend um Flächen auf Gellap-Ost sowie ausnahmsweise auch Nabaos. Neben dem überaus schmackhaften Chamaephyt Leucosphaera bainesii (Amaranthaceae) sind - mit jedoch geringerer Stetigkeit - Hibiscus elliottiae (Malvaceae) und Cadaba aphylla (Capparaceae) für diese Gruppe typische Vertreter.

 

7.4.                    Diskussion der Klassifikation

 

Bei dem Vergleich der für beide Flächengrößen erstellten Tabellen zeigt sich jeweils die klare Unterscheidung der auf der Nabaos- bzw. Gellap-Ost-Seite lokalisierten Aufnahmeflächen. TWINSPAN teilt die Aufnahmeflächen beider Observatorien einzelnen Klassen zu. Damit wird deutlich, wie groß die Auswirkungen der unterschiedlichen Landnutzungssysteme auf die Vegetation in zwei abiotisch nahezu identischen Gebieten sind. Lediglich die Auswertung der 0,01 ha Flächen führt zuweilen zu einer Überschneidung der Flächen beider Observatorien in einzelnen Einheiten, besonders im Bereich der Hanghabitate, wo die für die Ziegen stark erschwerte Erreichbarkeit einiger Flächen diese auf Nabaos z.T. ihren ursprünglichen Charakter bewahren läßt. Zusätzlich sind diese artenreicheren Hanghabitate auf Nabaos häufig an Süd- 0der Südwesthängen lokalisiert. Durch die sonnenabgewandte Lage dieser Hänge erreicht die Evapotranspiration weniger extreme Werte, als dies auf sonnenexponierten Nordhängen der Fall wäre. Die dadurch etwas bessere Wasserversorgung führt erst zu Bedingungen, die für eine Keimung und Etablierung günstig sind. Ob sich die einmal entstandene Diversität dann halten kann hängt von dem Beweidungsdruck ab, dem die entsprechende Fläche ausgesetzt ist, und dieser wiederum – wie bereits erwähnt – von der Erreichbarkeit der Flächen.

 

Deutlich unterschieden wird des weiteren die Rivierfläche 14426/14427 auf Gellap-Ost, die auf dem Niveau einer Ordnung von den übrigen Untersuchungsflächen der Gellap-Seite abgetrennt ist. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da den Rivieren als azonale Sonderstandorte auch eine andere Flora eigen ist. Diese Besonderheiten zeigen sich auf den Rivierflächen der Nabaos-Seite aufgrund der durch Übernutzung induzierten Degradation nicht.

 

Die Anzahl der auf Gellap-Ost vorkommenden Generalisten ist weitaus höher als dies auf Nabaos der Fall ist. Allein dadurch ist die pro Fläche festgestellte Artenzahl auf Gellap-Ost fast durchgehend größer. Dies gilt jeweils sowohl für die Ebenen als auch für die Hangflächen beider Observatorien.

 

Besonders die perennierenden Gräser, allen voran Stipagrostis uniplumis als aspektbestimmende Art der Ebenen auf Gellap-Ost, schützen durch ihr den Boden intensiv durchdringendes Wurzelsystem die Flächen vor Erosion und stellen zusätzlich bedeutsame Futterpflanzen dar. Durch den starken Beweidungsdruck auf Nabaos fehlen sie dort nahezu vollständig. 

 

Es wird zudem deutlich, daß für die unterschiedlichen Habitattypen jeweils auch verschiedene Aufnahmegrößen ideal sind. 

Aufgrund der generell sehr niedrigen Deckungswerte erbrachte die Auswertung der 0,01 ha Flächen der Ebenen weniger gut gesicherte Ergebnisse. Besonders auf der mit nur spärlicher Vegetation bedeckten Nabaos-Seite konnte keine Differenzierung in deutlich abgrenzbare Einheiten erfolgen, wie aus der im Anhang 2 abgebildeten Tabelle ersichtlich ist. Die 0,1 ha Flächen dagegen ermöglichten besonders im Bereich der Ebenen auf beiden Flächen die Erfassung eines größeren Teils des vorhandenen Artenspektrums und somit eine realistischere Abbildung der Gegebenheiten. Dadurch konnten diese Flächen besonders auf Nabaos bei Analyse der Vegetationsdaten der 0,1 ha Flächen verschiedenen distinkten Einheiten zugeordnet werden.

 

Auch die Rivierflächen der Gellap-Ost-Seite sind bei Wahl der größeren Aufnahmefläche weitaus deutlicher ausgeprägt, während die Wahl der Flächengröße für die Klassifikation der Einheiten auf den Ebenen von Gellap-Ost keine signifikanten Unterschiede ergab. Der Grund hierfür liegt in der dichteren Vegetationsdecke auf Gellap-Ost.

 

Für die Auswertung der Hang- und Hangfußflächen erwiesen sich 0,01 ha Flächen als ideale Größe. Im Gegensatz zu den Ebenen bilden die Vegetationseinheiten der Hanghabitate - den heterogenen Standorten angepasste - kleinräumige Muster. Bei Wahl einer zu großen Aufnahmegröße kommt es leicht zu einer Vermischung verschiedener Einheiten, da mit einer Aufnahme verschieden Einheiten berührt werden, so daß keine differenzierte Auswertung möglich ist.

 

Wie die Besprechung der Vegetationstabellen gezeigt hat, gibt es bestimmte Arten, die für das Untersuchungsgebiet von besonders großer ökologischer oder wirtschaftlicher Bedeutung sind. Aus diesem Grund werden im folgenden Kapitel einige ausgesuchte Arten vorgestellt, denen entweder eine positive Bedeutung als Futterpflanzen zukommt, oder die als Überweidungszeiger auftreten und damit weniger erwünscht sind.


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