Landnutzungsvergleich Namibia - Ordination der Vegetationsdaten

7.6.         Ordination der Vegetationsdaten

 

7.6.1.  Indirekte Gradientenanalyse (DCA)

 

Abbildung 33 zeigt die DCA-Ordination aller bearbeiteter o,1 ha Flächen.

Es wird wiederum die schon bei der TWINSPAN-Sortierung hervorgehobene Separierung der zu Gellap-Ost bzw. Nabaos gehörigen Flächen deutlich. Lediglich zwei Aufnahmen der Nabaos-Seite - 16300 und 14466 - stehen den Aufnahmen der Gellap-Seite nahe.

Auch die in unterschiedlichen Farben dargestellten Haupthabitattypen sind für das jeweilige Observatorium gegeneinander abgegrenzt.

Betrachtet man die Aufnahmen für beide Observatorien fällt auf, daß die Flächen auf Nabaos einander ähnlicher sind als dies für die auf der Gellap-Seite lokalisierten Flächen der Fall ist. Die Ähnlichkeit ist von um so größerer Bedeutung, als 48 der insgesamt 69 bearbeiteten 0,1 ha Flächen auf der Nabaos-Seite angesiedelt sind. Diese stärkere Kumulation ist auf die nivellierende Wirkung der auf Nabaos verstärkt zu Tage tretenden Erosion zurückzuführen.

 

Für Nabaos ist offensichtlich der Nutzungsgradient entscheidend, während für Gellap-Ost die edaphische Feuchte der Standorte ausschlaggebend ist. Auf Nabaos bewegt sich der Hauptgradient von den extrem degradierten Rivierflächen um Nuwefontein (Transekte) über die Bereiche der stark erodierten und degradierten Ebene, der weniger degradierten Ebene bis hin zu den intakteren Hangbereichen. Die Hänge auf Nabaos sind allgemein –wie schon aus Vegetationstabellen ersichtlich - unterschiedlich stark degradiert und demnach verschieden zugeordnet. Vereinfacht gesagt stellt der Nutzungsgradient zugleich einen Entfernungszeiger zu der Ortschaft mit ihrer Wasserstelle dar. Die den Aufnahmen auf Gellap-Ost in Abbildung 33 am nächsten stehenden Flächen der Nabaos-Seite sind sowohl am intaktesten als auch am weitesten von der Tränke in Nuwefontein entfernt.

Für die Rivierflächen auf Nabaos ist ein weiterer Gradient abzulesen. Der Anordnung der Flächen zufolge sind hier chemische Bodenmerkmale wie Carbonatgehalt, Leitfähigkeit und pH-Wert einschlägig.


14427
: Rivierflächen Gellap-Ost                                       16024: Rivierflächen auf Nabaos

14430: Ebenen auf Gellap-Ost                                                           16025: stark degradierte Ebenen auf Nabaos

14433: undulierende Ebene auf Gellap-Ost                   16329: sonstige Ebenen auf Nabaos

14394: Hangfußflächen auf Gellap-Ost                                          14445: Hangfußflächen auf Nabaos

14412: Hangflächen auf Gellap-Ost                                 14457: Hangflächen auf Nabaos

Abb. 33 : DCA aller o,1 ha Flächen

 

Wie bereits erwähnt, läßt sich aus der Abbildung für Gellap-Ost ein Gradient bezogen auf die edaphische Bodenfeuchte ablesen. Auf die Rivierflächen folgen die Bereiche der Ebenen, dann die Hangfußflächen mit mittleren Teufen und schließlich die flachgründigen Hangbereiche.

 

Die Hangfußflächen sind für beide Observatorien zwischen Hangflächen und Ebene angesiedelt. Demnach deckt sich dieses Ergebnis insbesondere für Gellap-Ost mit der im Kapitel Boden vorgenommenen Grobeinteilung der Standorttypen, während die Einordnung der entsprechenden Flächen auf Nabaos wiederum mehr von der Entfernung zur Wasserstelle, also dem herrschenden Beweidungsdruck abhängt.

 

Die Bereiche der undulierenden Ebene im Südosten des Observatoriums Gellap-Ost stehen den Hängen näher als den Standorten der Ebene. Diese Beobachtung deckt sich mit dem Ergebnis der TWINSPAN-Klassifizierung.

 

Eine entsprechende Ordination kann nun auch für die auf den Flächen vorgefundenen Arten durchgeführt werden, wobei die Deckungswerte berücksichtigt wurden (Abbildung 34).

 

Man kann eine y-förmige Spreizung der Arten ausmachen. Im linken oberen Bildausschnitt finden sich typischen Rivierzeiger, zB Stipagrostis namaquensis. Dies deckt sich mit der Lage der Riviere auf Gellap-Ost. Nahe den Feuchtezeigern ist auch Osteospermum microcarpum angesiedelt. Dies legt den Schluß nahe, daß es sich um eine Art mit erhöhten Ansprüchen an die Wasserversorgung handelt. Stipagrostis uniplumis als Hauptart auf Gellap-Ost steht etwas isoliert unterhalb der Rivierzeiger und deutet auf die relativ artenreichen Ebenen der Gellap-Seite hin.

Eine - bezogen auf das Untersuchungsgebiet - besonders hohe Artenvielfalt findet sich im linken unteren Quadranten. Hier sind die für die heterogenen Hangstandorte charakteristischen Arten versammelt. Es zeigt sich wieder einmal die gegenüber der Ebene erhöhte Diversität der Hangflächen (s.Kapitel 7.8.), die allerdings nur auf Gellap-Ost klar zum Ausdruck kommt.

 

Im rechten Teil der Abbildung sind Arten versammelt, die auf einen höheren Salzgehalt der Böden hinweisen wie Tamarix usneoides oder Salsola spec., ferner auch Arten, die zusätzlich eine verbesserte Wasserversorgung des Bodens bevorzugen. Hier ist auch Tetragonia schenkii angesiedelt. Diese Arten repräsentieren die Vegetation der auf dem Nuwefontein Communal Land gelegenen Rivierflächen, die sich von der entsprechenden Vegetation der Rivierflächen auf Gellap-Ost grundlegende unterscheidet, wobei der Grund – wie oben angedeutet – in der stärkeren Nutzung dieser Flächen und der damit einhergehenden Modifikation der Bodenparameter zu suchen ist.

Abb. 34 : DCA ausgesuchter Arten nach Gewichtung der Deckungswerte

 

Linkerhand der Riverzeiger sind dann die Arten angeordnet, die die Ebenen auf Nabaos prägen.

Interessant ist, daß die Arten Rhigozum trichotomum und Calicorema capitata – in den Vegetationstabellen der Begleitartengruppe A zugeordnet – hier doch eindeutig den Ebenen auf Nabaos sehr viel näher stehen als den Ebenen der Gellap-Seite. Dies gilt insbesondere für Calicorema capitata, die in Nachbarschaft zu Monechma genistifolium steht, einer Art, die in ihrem Vorkommen – wie bereits dargelegt – fast gänzlich auf die Habitate der Nabaos zugehörenden Ebene beschränkt bleibt.

Ein großer Teil der Phanerophyten leitet dann von der Ebene in die Bereiche der Hänge über und ist idR besonders auf die edaphisch feuchten Hangfußbereiche beider Flächen konzentriert, zB Maerua schinzii, Grewia tenax, Acacia mellifera.

Wie bereits im Kapitel Boden erwähnt, sind insbesondere die erweiterten Hangfußbereiche beider Observatorien besonders reich an Phanerophyten.

 

7.6.1.1.  Räumliche Verteilung ausgesuchter Hauptarten

 

Trägt man die Verbreitung der Arten im Untersuchungsgebiet ihrer Deckung entsprechend ein, so werden charakteristische Verteilungen der nachfolgend besprochenen Hauptarten deutlich.

Es handelt sich um Stipagrostis uniplumis (Poaceae), Catophractes alexandri (Bignoniaceae), Acacia nebrownii und Acacia mellifera (Mimosaceae) sowie Tetragonia schenkii (Aizoaceae), also meist um bereits in Kapitel 7.5. näher vorgestellte Arten, die wie S. uniplumis oder T.schenkii für eines der beiden Observatorien oder aber für das Gebiet als solches von großer Bedeutung sind.

 

1. Stipagrostis uniplumis

 

Abb. 35 : Verteilung von Stipagrostis uniplumis

 

Die Visualisierung der dokumentierten Stipagrostis uniplumis Vorkommen mit Berücksichtigung der Deckungswerte macht noch einmal deutlich, daß diese Poaceae ihren Schwerpunkt eindeutig in den Ebenen von Gellap-Ost hat, wo sie maßgeblich an der Biomasseproduktion beteiligt ist. Stipagrostis uniplumis kommt in den bergigeren Regionen der Gellap-Seite gelegentlich mit geringerer Deckung in den im Kapitel 7.3. vorgestellten Grastaschen vor und ist auf Nabaos generell nur sporadisch anzutreffen.

 

2. Tetragonia schenkii

 

Gänzlich anders verhält es sich wiederum bei Tetragonia schenkii. Hier ist der Verbreitungsschwerpunkt auch unter Berücksichtigung der Deckungswerte ganz eindeutig auf der Nabaos-Seite, genauer im Bereich der stark degradierten Ebenen sowie der Transektflächen entlang des Rivierlaufes zu finden. Auch bei diesen Flächen ist - bedingt durch ihre Nähe zu Nuwefontein – zwar Verbiß zu verzeichnen, er nimmt aber keine letal werdende Form an. Es zeigt sich somit, daß T. schenkii auf edaphisch besonders feuchten Standorten mit höchsten Deckungen vorkommt, die zwar durchaus stark beweidet werden, aber nicht dem extremen Verbiß wie die Flächen in unmittelbarer Nähe zur Wasserstelle ausgesetzt sind. Tetragonia schenkii kommt durchaus auch auf weniger feuchten Standorten auf Nabaos mit hoher Stetigkeit vor, kann dort aber nur in geringem Maße Biomasse produzieren, denn Tetragonia schenkii ist als Blattsukkulente auf eine gleichmäßige Wasserversorgung angewiesen (Ellenberg 1981). Ist diese in feuchten Jahren überall sichergestellt, so finden sich in trockenen Jahren wie 2003 derartige günstige Bedingungen nur entlang der größeren Rivierläufe, so daß nur auf diesen Standorten eine entsprechende Biomasseproduktion, die mit sukkulenteren und auch größeren Blättern einhergeht, zu beobachten ist

(s. Kapitel 7.5.).

Abb. 36 : Verteilung von Tetragonia schenkii

3. Catophractes alexandri

 

Das Vorkommen von Catophractes alexandri ist – wie bereits in Abschnitt 7.5. erwähnt - charakteristisch für die unteren Hangbereiche und Hangfußflächen sowie den diesen Flächen benachbarten Bereiche der Ebene.

Catophractes alexandri bevorzugt edaphisch feuchte Standorte an kleineren Fließrinnen mit allerdings erhöhter Bodentiefe, so daß diese Art wiederum nicht auf flachgründigen Hangstandorten anzutreffen ist. Ein höherer Skelettanteil des Feinbodens wird dagegen toleriert. Das Verbreitungsgebiet dieser Art ist - wie bereits aus den Vegetationstabellen ersichtlich - ganz wesentlich auf Gellap-Ost konzentriert. Der Grund ist - wie bei Stipagrostis uniplumis, wenn auch in geringerem Maße – in der Schmackhaftigkeit der Art angelegt, die dem hohen Beweidungsdruck auf Nabaos nicht standhalten kann. 

 

Abb. 37 : Verteilung von Catophractes alexandri

 

4. Acacia nebrownii

Acacia nebrownii hat – obwohl durchaus auf beiden Observatorien mit mittlerer bis hoher Stetigkeit anzutreffen – ihren Verbreitungsschwerpunkt dennoch eindeutig auf der Nabaos-Seite und erreicht nur dort hohe Deckungen.

 

Mit Tetragonia schenkii hat diese Art ihre hohe Toleranz gegenüber starkem Verbiß gemeinsam. So sind oben erwähnte Arten als einzige auch in unmittelbarer Nähe der Wasserstelle zu finden. Anders als T. schenkii ist Acacia nebrownii aber offensichtlich weniger stark auf eine optimale Wasserversorgung angewiesen. Diese Art kommt auch außerhalb der großen Riverflächen auf Nabaos in relativ hoher Deckung vor, betont jedoch häufig kleinere Abflußrinnen auch im hügeligen Bereich. A. nebrownii gehört mit ihren langen, rigiden Dornen zu den Überweidungsanzeigern. Die Art wird nur in jungem Zustand, wenn die Dornen noch relativ weich sind, gerne gefressen. Auf Nabaos wird sie Mangels Alternative dennoch häufig von den Ziegen besucht. Diese fressen bei Nahrungsmangel durchaus auch die Hülsen (Walter & Breckle 1984).

 

Abb. 38 : Verteilung von Acacia nebrownii

 

5. Acacia mellifera

Im Gegensatz zu Acacia nebrownii ist diese Schirmakazie relativ gleichmäßig auf beide Observatoriumsflächen verteilt. Auch ist der von dieser Art bevorzugte Habitattyp ein anderer. Die Flächen der gr0ßen Riviere werden fast vollständig gemieden. Statt dessen ist die Art mit etwas erhöhten Deckungen lediglich auf den Hangbereichen von Gellap-Ost zu finden, wo sie häufig zusammen mit Catophractes alexandri als kontrahierte Vegetation entlang kleinerer Fließrinnen oder auf Schwemmkegeln im Hangfußbereich anzutreffen ist.

Für Nabaos ist diese Art insofern von wirtschaftlicher Bedeutung, als daß ihr Holz gerne als Brennmaterial genutzt wird. Diese Tatsache dürfte neben der starken Beweidung die sehr geringen Deckungswerte auf den dortigen Flächen ausmachen.

Abb. 39 : Verteilung von Acacia mellifera

 


Danksagung Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Abkürzungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Einleitung Fragestellung Untersuchungsgebiet Material und Methoden Ergebnis Klima Ergebnis Boden Klassifikation der Vegetation Arten Indirekte Gradientenanalyse (DCA) Direkte Gradientenanalyse (CCA) Vegetations Vergleich Vegetationsdynamik Zusammenfassung Literaturverzeichnis Anhang Artenliste