Landnutzungsvergleich Namibia - Zusammenfassung und Ausblick

9.                Zusammenfassung und Ausblick

 

Die vorliegende Arbeit untersuchte und verglich die im Sommerregengebiet der

Nama Karoo im südlichen Namibia gelegenen Biodiversitätsobservatorien des BIOTA Southern Africa Projekts Gellap-Ost (Rotationsweide) und Nabaos (kommunales Weideland mit unkontrollierter Beweidung) sowohl hinsichtlich der abiotischen Verhältnisse als auch der Flora und Vegetation. Zudem erfolgte eine vergleichende Analyse der erhobenen Parameter bezüglich der unterschiedlichen Habitattypen beider Observatorien, um neben den Auswirkungen der unterschiedlichen Beweidungsintensität auch den steuernden Einfluß des Standortes auf Flora und Vegetation untersuchen zu können.

Die Auswertung erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren (2001-2003).

 

Die Analysen ergaben einen deutlichen Unterschied in der Flora und Vegetation beider Flächen. Dabei waren sowohl die beiden Observatorien als auch die für beide Observatorien topographisch definierten Habitate floristisch klar gegeneinander abgegrenzt. Die Diversität auf dem weniger intensiv beweideten Observatorium Gellap-Ost übertraf für alle Habitattypen die auf Nabaos festgestellte Diversität, wobei die höchste Artenvielfalt – mit nutzungsbedingten Ausnahmen auf Nabaos – jeweils auf den Hangflächen zu finden war. Es ist somit festzuhalten, daß im Untersuchungsgebiet starker Beweidungsdruck zu einer Abnahme der Artenzahl führt.

 

Neben diesem Diversitätsrückgang führte die starke Beweidung auf Nabaos auch zu einer Verschiebung des Wuchsformenspektrums hin zu einem weitaus größeren Anteil annueller Arten an der Gesamtartenzahl sowie zu einem starken Rückgang schmackhafter chamaephytischer Arten.

 

Weiterhin konnte festgestellt werden, daß sich die beiden für das jeweilige Observatorium ökonomisch bedeutendsten Arten Stipagrostis uniplumis

(Poaceae, Gellap-Ost) und Tetragonia schenkii (Aizoaceae, Nabaos) in ihrem Verbreitungsgebiet gegenseitig nahezu ausschließen, wobei

Stipagrostis uniplumis aufgrund des hohen Beweidungsdrucks auf Nabaos keine Etablierungsmöglichkeiten besitzt, während Tetragonia schenkii auf Gellap-Ost aufgrund mangelnder Konkurrenzkraft um die Ressource Wasser gegenüber den Gräsern keine optimalen Wachstums- und Entwicklungsbedingungen vorfindet.

 

Die vegetationsdynamische Analyse hat die starke Witterungsabhängigkeit der Vegetation auf Nabaos gezeigt. Anders als auf Gellap-Ost reagiert die Vegetation durch den hohen Anteil annueller Arten und die hohe Anzahl an Freiflächen unmittelbar auf die herrschenden Niederschlagsbedingungen. Bei Feuchtigkeit findet eine Massenkeimung hauptsächlich annueller Arten statt. Die Flächen präsentieren sich für einen kurzen Zeitraum grün und sind dann auch als Weide durchaus geeignet. Bei Trockenheit allerdings verwandeln sich dieselben Flächen in eine karge, nahezu vegetationsfreie Landschaft, die den Tieren nur wenig Nahrung bieten kann. Auf Gellap-Ost dagegen bewirkt der hohe Anteil perennierender Gräser an der Gesamtdeckung der Flächen eine relativ Stabilität und Unabhängigkeit von dem aktuellen Niederschlagsgeschehen, so daß diese Flächen einige niederschlagsarme Jahre ohne starken Deckungsverlust und - damit verbunden - ohne starke Erosionserscheinungen relativ unbeschadet überstehen können.

 

Die Source-Sink-These konnte für das Untersuchungsgebiet nicht bestätigt werden, da sowohl die Einheiten der Hänge als auch die der Ebenen eigene Charakterarten besitzen und auch in dem niederschlagsreichen 2002 kaum Charakterarten der Hanghabitate in der Ebene zu finden waren.

 

Es konnte anhand der Transekte gezeigt werden, in welchem Ausmaß die starke Übernutzung als steuernder Faktor auf die Vegetation einwirkt. So war im Zuge des von der Wasserstelle in Nuwefontein ausgehenden Riviertransektes ein nahezu linearer Anstieg von Deckung und Artenvielfalt mit zunehmender Entfernung zur Wasserstelle zu beobachten. Auch die Wechselwirkung zwischen Übernutzung, Degradation der Vegetation und Bodenerosion konnte aufgezeigt werden.

 

Die Flächen auf Gellap-Ost haben sich als vergleichsweise intakt dargestellt. Allerdings ist hier eine Tendenz zur Verbuschung, also eine Zunahme unerwünschter  Dornbüsche feststellbar.

 

Das Ergebnis dieser Arbeit, wonach starker Beweidungsdruck zu einem Sinken der Diversität und Biomasseproduktion führt, deckt sich durchaus mit ähnlichen Untersuchungen in anderen Gebieten (Van de Koppel et al. 1997).

Dagegen zeigen von Behrens (2002) in der Sukkulenten Karoo in Südafrika durchgeführte Untersuchungen, die ebenfalls einem durch unterschiedliche benachbarte Landnutzungssysteme hervorgerufenen Fence-line-Kontrast galten, daß auch der entgegengesetzte Fall eintreten kann. Im Gegensatz zu den in der Nama Karoo gewonnenen Erkenntnissen, wonach die Artenvielfalt mit starker Beweidung deutlich abnimmt, wurden auf den Flächen des Biodiversitätsobservatoriums Paulshoek (kommunales Farmland) ähnlich hohe Artenzahlen wie auf dem benachbarten, auf der privaten Farm Remhoogte gelegenen Observatorium festgestellt. Es wird somit deutlich, daß die Auswirkungen der Beweidung von den großlandschaftlichen Gegebenheiten abhängig sind und sich keinesfalls vereinheitlichen lassen, wobei aber i.d.R. bei Überweidung Degradationserscheinungen der Vegetation zu erwarten sind.

 

 

Das BIOTA Southern Africa Project wird sich auch in den kommenden Jahren – mindestens jedoch bis 2006 – auch unter Beteiligung afrikanischer Wissenschaftler dem Studium der Vegetation auf den in dieser Arbeit untersuchten Biodiversitätsobservatorien Gellap-Ost und Nabaos zuwenden.

 

Interessant wird sich die Beobachtung der untersuchten Hauptarten

Stipagrostis uniplumis auf Gellap-Ost und Tetragonia schenkii auf Nabaos gestalten. Sollte die Trockenheit andauern, wird es möglich sein, die Veränderung der Grasdeckung auf Gellap-Ost und damit eine Veränderung der Deckungsanteile der Arten zu beobachten. Es stellt sich die Frage, ob bei einem starken Rückgang der Gräser Tetragonia schenkii auch auf Gellap-Ost in verstärktem Maße Fuß fassen kann. Dies hätte für die Beweidung günstige Auswirkungen, allerdings ist T. schenkii nicht geeignet, den Boden wie die Gräser zu stabilisieren und so vor Abtrag zu schützen.

Auf Nabaos stellen sich viele Fragen, zu deren Beantwortung ein größeres Zeitfenster benötigt wird, als es im Rahmen dieser Diplomarbeit zur Verfügung stand.

 

Auf den Flächen des Nuwefontein Communal Land sind Auszäunungen geplant, mit deren Hilfe Einsichten über die Sukkzessionsfolgen bei Wiederbesiedelung der degradieren Flächen gewonnen werden können. Interessant wären in diesem Zusammenhang auch Untersuchungen der im Boden befindlichen Samenbank auf beiden Flächen und zwar sowohl hinsichtlich der Samenmenge als auch der Anzahl der repräsentierten Arten und der Keimungsfähigkeit. In Verbindung damit wäre eine Untersuchung der Disseminationsstrategien der vorgefundenen Arten sinnvoll.

 

Zudem wären Untersuchungen an der Hauptart Tetragonia schenkii interessant, um tiefere Einblicke in die Ausbreitungsstrategien und Entwicklungszyklen dieser Art zu gewinnen.

 

 

Wünschenswert wäre die Errichtung von Zäunen zur Unterteilung des kommunalen Landes in Parzellen, um so der Vegetation zumindest kurze Phasen der Regeneration einzuräumen und die drohende Desertifikation aufzuhalten. Denn es steht zu befürchten, daß die fortgesetzte unkontrollierte Nutzung des kommunalen Landes eine immer stärkerer werdende Degradation zur Folge hat, die früher oder später zu einem Verlust dieser kommunalen Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung führen wird.

 


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